
The Machinist
E 2004
18.07.2005, 15:59, Text:
Sascha Seiler,
Sascha Seiler
R: Brad Anderson; D: Christian Bale, Jennifer Jason Leigh; e-m-s
Tom Hanks mag ja über dreißig Kilo abgenommen haben, um in einem letztlich völlig redundanten Film den gestrandeten Neuzeit-Robinson zu geben, doch was sich der englische Schönling Christian Bale für seine Rolle in einer spanischen Indie-Produktion zugemutet hat, überschreitet schon fast die Schmerzgrenze. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Bale den Vertrag für die muskelbepackte menschliche Fledermaus in \"Batman Begins\" (und somit die Eintrittskarte zum Megastardom) wohl bereits in der Tasche hatte. Scheint aber alles noch mal gut gegangen zu sein, auch wenn Bale in \"The Machinist\" äußerst ungesund aussieht.
Auch wenn man die Qualität eines Films nicht an den Method-Acting-Reminiszenzen seiner Hauptdarsteller messen sollte, ist Bales Darstellung die überzeugendste körperliche Alteration seit Robert de Niros \"Raging Bull\". Interessant auch, dass Regisseur Brad Anderson, der bislang nicht viel mehr als ein paar Episoden guter US-TV-Shows wie \"The Shield\" oder \"The Wire\" inszeniert hatte, nach Spanien auswandern musste, um diesen Film zu realisieren. Fast ausschließlich mit einem spanischen Stab gedreht, ist \"The Machinist\" - der vor allem aufgrund seiner euphorischen Rezeption Bedeutung erlangte, auch wenn das kommerzielle Potenzial nicht viele Kinobetreiber überzeugen konnte - ein Film über Sünde und Vergebung. Er lässt sich damit erstaunlich gut in den Kontext der spanischen Psycho/Horrorfilm-Welle einordnen, deren qualitativ meist hochwertige Filme hierzulande gerade das Angebot der Kinos und Videotheken bereichern. Interessant ist vor allem, wie sehr die Rezeption von \"The Machinist\", der eine vertrackte Geschichte im Kontext von Shyamalans \"The Sixth Sense\", vor allem aber Nolans \"Memento\" erzählt, von der Rolle Bales eingenommen wird, sodass gar kein Raum mehr blieb, die düstere, dreckige, vor allem aber sehr kunstvolle Inszenierung zu loben, bei der einfach alles - Schnitt, Kameraführung, Beleuchtung - stimmt. Interessant ist auch zu bemerken, dass der Film bei aller Dunkelheit und Schaulust eine tiefe moralische Botschaft in sich trägt, sodass dies eine der wenigen Produktionen ist, in der Extreme nicht zum Selbstzweck inszeniert werden, sondern der Geschichte dienen. Was zudem noch für den Film spricht - auch dies reiht ihn in die jüngste spanische Filmästhetik ein -, ist seine Genrefremdheit, denn der Zuschauer ist sich gerade deswegen so lange über den Verlauf der Handlung im Unklaren, weil er nicht weiß, ob es sich hier um einen übersinnlichen Horrorfilm, ein Psychodrama oder einen neuen David-Lynch-Film handelt. Aus dem Mix der Reminiszenzen wird jedoch im Verlauf ein kongruenter Film, in dem jegliche Unstimmigkeit schnell aufgeklärt wird und der in seinem Herzen, wie bereits erwähnt, eine tiefe moralische Botschaft trägt, deren Aufdecken mal ein ganz anderer Ansatz der viel zitierten \"überraschenden Wendung\" am Ende des Films ist.
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