
24 – Season 3
USA 2003/2004
23.06.2005, 12:09, Text:
Sascha Seiler,
Sascha Seiler
D: Kiefer Sutherland, Dennis Haysbert, Elisha Cuthbert; Fox
Anfangs ein revolutionäres Konzept, fragte man sich spätestens am Ende der immer noch sehr gelungenen zweiten Staffel, was denn noch an anstrengenden Tagen auf Jack Bauer zukommen könnte. Dazu waren Jugoslawen, Russen und Moslems als Bösewichte mittlerweile abgehakt, und die Stimmen wurden immer lauter, die nach einem Ende der Serie auf dem Höhepunkt ihrer Kunst riefen. Natürlich ließen sich die Macher der international überaus erfolgreichen Serie nicht beirren, und mittlerweile geht man in den USA bereits in die fünfte Season. Dabei werden diese dritten 24 Stunden die letzten in der Stammbesetzung um Dennis Haysbert, Sarah Clarcke, Elisha Cuthbert und all den anderen sein, die nicht Kiefer Sutherland heißen.
Zwei neue Charaktere führen die Macher schon mal ein: Jack Bauers neuen Partner Chase, einen recht klischeehaft gezeichneten, furchtlosen jungen FBI-Draufgänger, der gleichzeitig eine heimliche Affäre mit Jacks Tochter hat (die wiederum, keiner weiß wie, nach den Sommerferien von der Schülerin zur Top-Computerkraft bei CTU aufgestiegen ist), und Wayne Palmer, den unmoralischen Bruder und neuen Berater des aufrechten und hochmoralischen Präsidenten David Palmer. Wayne wird hier unglaublich schmierig von dem auf schmierige TV-Charaktere spezialisierten DB Woodside verkörpert. Die Bösewichte wiederum sind, zumindest in den ersten paar Stunden, skrupellose kolumbianische Drogenbosse, was der ganzen Geschichte ein angenehmes Retro-Flair gibt, denn im Zuge des globalisierten Terrorismus' wirken die bösen Klischee-Machos mit dem harten Akzent und den weit aufgeknöpften Hemden wie Reliquien aus einer anderen Zeit. Irgendwann kommen nach alter \"24\"-Tradition aber die wahren Drahtzieher zum Vorschein, und man wird den Eindruck nicht los, dass die Abenteuer des Jack Bauer immer stärker denen des James Bond ähneln, so unendlich böse wird hier immer wieder die Weltherrschaft angestrebt.
Es hilft dem konstruierten Plot nicht besonders, dass Jack auch noch heroinsüchtig ist, was ihn zwar beim Ausüben seines Berufes aufgrund akuter Entzugserscheinungen leicht behindert, aber so schlimm ja nicht sein kann, wenn er selbst die waghalsigsten Manöver ohne eine Schramme überlebt. All dies ist inhaltlich unglaublicher Schwachsinn, dennoch ist es, wie die beiden Staffeln zuvor, grandioser Schwachsinn. Die Drehbuchschreiber haben, dank des Verzichts auf jegliche inhaltliche (nicht narrative!) Logik, die Spannungsschraube noch ein wenig angezogen, sodass man neidlos anerkennen muss, dass die dritte Season von \"24\" noch besser und gewaltiger ist als die beiden davor. Wieder einmal ist es kaum vorstellbar, dass man sich diese Cliffhanger-Spannung tatsächlich Woche für Woche vor dem Fernseher antut; auf der anderen Seite ist \"24\" die perfekte Serie fürs DVD-Boxset: ein 17-Stunden-Film (Werbepausen abgezogen, das alte Dilemma der Serie), den man ohne einen Moment der Langeweile am Stück anschauen kann.
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