Klaus Lemke

3 Minuten Heroes. Billig als Methode

22.06.2005, 12:48, Text: Jörg Sundermeier, Jörg Sundermeier

\"Richtige Jungs gibt es nur in einer Hafenstadt.\" Das sagt Klaus Lemke, Filmer, in diesem Jahr wird er 65, und er dreht und dreht. Er dreht gern billig, zahlt Einheitslohn, arbeitet mit Laien und oft mit improvisiertem Drehbuch. Er sammelt Geschichten. In seinem neuesten Film, \"3 Minuten Heroes\", der am 4. Juli im WDR im Rahmen einer kleinen Werkschau läuft und auch auf ein paar Festivals zu sehen sein wird, geht es um Miles. Der ist größenwahnsinniger DJ und wird von einem Geldverleiher getötet, da er nicht zahlen kann. Seine Freundin Zsa Zsa will ihn rächen, doch sie kann es nicht. Also greift sich Coco, eine geschasste Barfrau, den Revolver.

Dann gibt es noch Timo, der Sex will und nicht weiß, wie er ihn kriegen soll, denn er ist not cool. Bis er Coco trifft. Daneben noch zwei Skater, die ein Auto brauchen, um abzuhauen, die Frau, die arbeitet, um die beiden auszuhalten, die migrantische Autoknackergang, die drei Mädchen, die andere Frauen überfallen, aus Jux und weil sie coole Klamotten brauchen. Schließlich dann noch das Groupie, das erklärt, wie das Groupiedasein geht. Da es offensichtlich keine vorgeschriebenen Dialoge gibt, reden die meisten, wie ihnen die Sprache aus dem Hirn plumpst. Davon lebt der Film. Auch sind die Reeperbahnbilder gut, weil sie dem Klischee entsprechen, aber dabei nicht falsch sind. Der große Harun Farocki lobt diesen Film, \"der Film ist glücklich, dass Film möglich ist\", man kann sich denken, für was das Lob ist. Die Kamera ist oft verwackelt, die Beleuchtung nicht selten scheiße, die Dialoge sind manchmal von den Schauspielern hingezittert und wirken viel zu steif. Billig als Methode, sehenswert ist's schon.

Nur muss der große Klaus Lemke, der unter anderem Iris Berben entdeckte, wie es so schön heißt, leider auch unbedingt sein Menschenbild in den Film drücken, und das ist leider arg fad - Mädchen sind Mädchen und Jungs sind Jungs. Das gilt dem Machofreund Lemke als wahr, weil er es inszeniert, und er weiß genau, wie die Geschlechter geordnet sind: \"Mädchen brauchen starke Jungs. Sie wollen kleine Prinzessinnen sein. Natürlich bestreiten sie das. Das ist ja das Süße\", erklärte er unlängst der SZ. Folglich sind seine Frauenfiguren allesamt sehr hübsch und recht oft knapp gekleidet, Jungs hingegen tragen Leder oder Anzug und sind cool bis zum Abwinken. Das lieben Lemkes Mädchen und das verkörpern seine Jungs, wie sie es schon seit den 70ern tun, als Lemke noch in München filmte, die Boheme halt. Dass sich Zeiten und Bilder ändern könnten, kommt Lemke nicht in den Sinn, seine Frauen erscheinen ihm \"stark\", weil sie ihre Rolle einnehmen und ausfüllen. Und das trübt dann doch den Eindruck, den \"3 Minuten Heroes\" sonst machen könnte. Denn bei aller Imperfektion hat Lemke an dem Bild gearbeitet, das die Geschlechter haben müssen, und hier nur allzu perfekt.

3 Minuten Heroes
D 2004
Buch & Regie: Klaus Lemke; Kamera: Henna Peschel; Ton: Jens Röhm; Schnitt: Rainer Schmidt; Produktion: klf/megaherz; Darsteller: Claudia Grimm, Timo Jacobs, Miles Terheggen, Zsa-Zsa Anwar; 72 min, DVCam



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