Ein Ferpektes Verbrechen

E 2004

21.05.2005, 17:21, Text: Sascha Seiler, Sascha Seiler

R: Alex de la Iglesia; D: Guillermo Toledo, Mónica Cervera, Luis Varela; 26.05.

Alex de la Iglesia muss man sich in etwa so vorstellen wie eine spanische Ausgabe von Kevin Smith. Nicht nur, dass er dem amerikanischen Regisseur ziemlich ähnlich sieht, er hat auch verwandte Vorstellungen von Freizeitvergnügen: die Kultivierung des Geektums anhand eines exzessiven Konsums von Comics, “Kult”-Filmen und der Hingabe an die Kunst des Rollenspielens. Und nun, zehn Jahre nach Smiths “Mallrats”, hat auch Alex de la Iglesia seinen Kaufhausfilm gedreht: “Ein Ferpektes Verbrechen”. Zwar rennen hier nicht Jay und Silent Bob durch anonyme, amerikanische Malls, dennoch ist der Humor in dieser kaum verschleierten Parodie auf die riesengroße spanische Kaufhauskette El Corte Inglés und deren Verkäufer international durchaus rezipierbar.

Rafa ist ein Mittvierziger, dessen Leben sich nur um seine Rolle als Verkäufer in der Damenabteilung des Kaufhauses dreht. Sein einziges Ziel ist, einmal Etagenleiter zu werden, und sein Freizeitvergnügen besteht darin, seine äußerst attraktiven Mitarbeiterinnen nächtelang im geschlossenen Kaufhaus zu verwöhnen. Dummerweise wird er beim (unabsichtlichen) Mord an seinem größten Konkurrenten, dem Leiter der Herrenabteilung, gerade von der einzigen hässlichen Mitarbeiterin beobachtet, die er aus diesem Grund noch nicht begattet hat und die ihn nun zu ihrem Liebessklaven macht. Was folgt, ist eine rasante Screwball-Comedy mit allerlei Action- und, wie bei de la Iglesia üblich, Ekel erregenden Splatter-Szenen. Am Ende scheint sich alles zum Guten zu wenden, bis ... “Ein Ferpektes Verbrechen” ist so lange ein äußerst gelungener und unterhaltsamer Film, wie sich sein Regisseur auf sicherem Kevin-Smith-Terrain bewegt. Die erste halbe Stunde, in der die Welt der Kaufhausverkäufer bis ins kleinste Detail als Paralleluniversum aus Neid, Habgier und Eitelkeit gezeichnet wird, ist umwerfend komisch und, trotz der Verweise auf zahlreiche amerikanische Vorbilder, erstaunlich originell. Leider verliert der Film an Relevanz, sobald er an komischer Rasanz gewinnt: Dient die bewusste Überzeichnung des Hauptcharakters Rafa noch dem Aufbau der surrealen Atmosphäre (er ist aus Versehen im Kaufhaus geboren; er hat dieses Kaufhaus praktisch sein ganzes Leben nie verlassen), so ist dieselbe Überzeichnung bei seiner Antagonistin, dem hässlichen Entlein Lourdes, leider ziemlich lächerlich und auf niedrigstem amerikanischen Highschool-Klamauk-Niveau. Sobald der eigentliche Mittelpunkt des Films, der Kleinkrieg zwischen den bald als Eheleuten firmierenden Todfeinden, erreicht ist, wirkt er nur noch wie eine – gelungene, aber eben unoriginelle – Kopie amerikanischer Action-Komödien. Erst gegen Ende, als Rafa seinen teuflischen Plan mit Hilfe des plötzlich als Geist mitdiskutierenden toten Herrenabteilungsleiters (eine überdeutliche Referenz an “Six Feet Under”) umsetzt, ohne dass de la Iglesia den Zuschauer über dessen Ablauf ins Bild setzt, gewinnt der Film wieder an Tempo und führt dann doch überzeugend zu seinem überraschenden Ende. Ein zwiespältiges Vergnügen.



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