Team America

USA 2004

21.05.2005, 16:43, Text: Oliver Minck, Oliver Minck

R: Trey Parker; B: Matt Stone, Trey Parker

Kultfilm: Das verbotene Wort kribbelt mir in den Fingern und muss einfach raus. Man kommt nicht drum rum, denn “Team America” erfüllt alle Kriterien. Punkt eins: Der Film war zwar kein Megaflop, blieb in den Kinos aber trotz seiner Klasse unter den Erwartungen. Punkt zwei: Der Film pfeift komplett auf differenzierte Betrachtungen und holt stattdessen aus zum Rundumschlag gegen alles und jeden. Punkt drei: Der Film liefert mindestens zwei Hände voll mega-krasser Anekdoten, die man sich auch in zehn Jahren noch geifernd auf Schulhöfen zuschieben wird: “Ey Alter, kennst du die Szene in ‘Team America’, wo sich der eine Typ voll abschießt und hinterher 20 Minuten am Stück kotzt, ungelogen.” Punkt vier: Der Film ist ein Puppenfilm.

Bei den Darstellern handelt es sich um Marionetten, die an deutlich sichtbaren seidenen Fäden durchs Bild geschoben werden. Punkt fünf: Der Film ist von Trey Parker und Matt Stone, den Erfindern der berühmt-berüchtigten “Southpark”-Serie. Jetzt darf ich es also guten Gewissens noch einmal sagen: “Team America” ist ein Kultfilm. Und so was macht sich natürlich auch im DVD-Regal gut. So bissig “Team America” auch ist, der Film reiht sich nicht ein in einen vermeintlich hippen Antiamerikanismus. Der Kniff: George W. Bush, eigentlich prädestiniert als Haupt-Zielscheibe satirischer Systemkritik, wurde einfach außen vor gelassen. Bei Parker und Stone ist Mr. President längst schon Schnee von gestern – den Kampf gegen den Terror hat das Team America übernommen, eine sechsköpfige Spezialeinheit, die als Weltpolizei immer dann zum Einsatz kommt, wenn es brenzlig wird. Das meldet “Intelligence”, der schlauste Computer der Welt. Dass das Team bei seinen heroischen Einsätzen nichts als Schutt und Asche hinterlässt, muss dabei selbstredend in Kauf genommen werden.

Ganz gleich, welcher politischen Gesinnung: bei Parker und Stone werden alle abgewatscht. Von der liberalen Hollywood-Schauspielergarde um Alec Baldwin, Susan Sarandon und einen grenzdebilen Matt Damon, die in ihrem verblendeten Weltverbesserungswahn gemeinsame Sache macht mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong II, bis zu Michael Moore (im wahren Leben ja Amerikas Waffen-Kritiker Nummer eins), der versucht, das Team-America-Hauptquartier per Selbstmordanschlag in die Luft zu sprengen. Parker und Stone beziehen bewusst nicht Stellung, sondern entlarven die Perversität der amerikanischen Gesellschaft per se. Und das auf schreiend komische Weise. Auf die Spitze getrieben wird die grenzenlose Überhöhung amerikanischer Klischees durch Musicaleinlagen mit gloriosen Refrainzeilen wie “Everyone has Aids” oder “America, fuck, yeah!”.

Dabei ist es ja eigentlich die visuelle Ebene, auf der “Team America” zuallererst überzeugt. Die Kombination aus offensiv-dilettantischem Marionettentheater einerseits und aufwändigen Special-Effects bzw. detailgenauen Reproduktionen der Schauplätze andererseits verleiht dem Film einen einzigartigen Charme. Ganz klar: Hier waren echte Freaks am Werk.



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