Manchild / Späte Jungs – Staffel 1

GB 2002

21.05.2005, 16:14, Text: Klaas Tigchelaar, Klaas Tigchelaar

&
The Office – Staffel 1
GB 2003

Beide BBC / Polyband

Es kann nicht oft genug betrauert werden, dass die englische Fernsehunterhaltung bei uns nach wie vor stiefmütterlich behandelt wird. Die beiden aktuellen Veröffentlichungen der Britcom-Reihe von Polyband machen erneut deutlich, dass die Briten eine traditionsreiche Leidenschaft für die komische Alltagsbetrachtung haben, die in Deutschland völlig zu Unrecht ignoriert oder schlimmstenfalls kommentarlos kopiert wird.

Die DVD von “Manchild” kommt aufgrund von kurzer und nahezu unbeachteter Präsenz im ARD-Nachtprogramm in sieben synchronisierten Folgen zu uns und ist – kurz gefasst – die britische Antwort auf “Sex And The City”.

Carry und Co. werden hier jedoch durch vier 50-jährige, wohlsituierte Londoner Lebemänner ersetzt. Nach Auffassung der Hauptfigur Terry (die in bester Magnum-Manier als Erzähler durch die Serie führt) sollte der Mann um die Fünfzig die Pflichtübungen des Lebens bereits abgehakt haben: heiraten, Familie gründen, Geld verdienen. Danach sollte er sich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen: sich scheiden lassen, die Vaterfigur für junge Fotomodelle spielen und Statussymbole auf ihr verjüngendes Image prüfen. Wie Carry und Co. suchen auch Terry und seine Kumpels in zahlreichen Illusionen am Ende nur die wahre Liebe, der aber zahllose skurrile Episoden mit jungen Damen, bayerischen Motorrädern, privaten Angelgründen und Potenzproblemen im Wege stehen. Während man “Manchild” aufgrund des herrlich britisch-steif daherkommenden Anspruchs die offensichtliche Adaption einer US-Vorlage verzeiht, ist man bei den ersten Minuten von “The Office” geneigt, die deutsche Comedylandschaft zu verfluchen, weil sie einem erneut den Spaß verdorben hat. Die Serie “Stromberg”, die Pro7 vor einiger Zeit ausgestrahlt hat, ist eine genaue Kopie dieses britischen Originals.

Wer “Stromberg” gesehen hat, wird nicht nur die Charaktere, sondern ganze Szenen in “The Office” wieder erkennen. Wem die Pro7-Serie jedoch entgangen ist, kann sich bei “The Office” auf deprimierende Bürogeschichten mit zutiefst schwarzgalligem Humor freuen. Im nüchternen Dokumentarstil gefilmt, erhalten wir Einblick in die beklemmende Welt des unausstehlichen Büroleiters David Brent, der den Arbeitstag damit zubringt, seine Mitarbeiter mit schlüpfrigen Witzen von der Arbeit abzuhalten, die ohnehin keiner verrichtet. Untereinander wird gemobbt, gebaggert, denunziert und diffamiert, dass es eine grausame Art hat. Wegen fehlender deutscher Fernsehausstrahlung sind die sechs Folgen von “The Office” lediglich mit Untertiteln versehen, was der Zielgruppe aber egal sein dürfte. Als Wiedergutmachung gibt es eine Bonus-DVD mit entfallenen Szenen und einer Dokumentation.



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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