
Paris, Texas
D/F 1984
25.02.2005, 13:13, Text:
Carsten Schumacher,
Carsten Schumacher
R: Wim Wenders; D: Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Dean Stockwell; Arthaus
›Paris, Texas‹ brachte Wim Wenders 1984 die Goldene Palme von Cannes. Heute nennt er diesen Film eine Plattform für alle anderen, die später kamen. Und eigentlich war es der Film, der die vorangegangenen schon hätten sein müssen. Der Film erzählt die Geschichte eines sprach- und erinnerungslosen Mannes, der gemeinsam mit seinem siebenjährigen Sohn aufbricht, dessen Mutter zu suchen. Erstaunlich gut gelungen ist der DVD-Fassung dabei der Audio-Kommentar des Regisseurs, der davon erzählt, wie viel hier dem Zufall überlassen wurde.
Cineasten stehen auf solche Geschichten, genauso wie es Musiker lieben, dass Wenders seinem Filmkomponisten Ry Cooder einen kongenialen Status einräumt. Mit der Bottleneck-Gitarre vor der Leinwand sitzend, hatte Cooder improvisiert und laut seinem Regisseur eine ganz eigene Erzählebene ins Werk gezogen. Ich selbst habe mich lange auf diese Ebene konzentriert und die Musik über Jahre zum Einschlafen benutzt. Die Bonus-DVD ist für eher Hartgesottene. Man sieht, wie Wenders und die Kinski in brachial geschmacklosen 80er-Fummeln in Cannes aufrauschen, bekommt noch einmal die ungeschnittene Version der bereits im Film gezeigten Super-8-Rückblende und ein gewohnt schleimig-betuliches Interview von Roger Willemsen. Höhepunkt hier sind eigentlich die 19 herausgeschnittenen Szenen, zu denen glücklicherweise ebenfalls der Audio-Kommentar von Wenders angeboten wird. Denn wer bei einem derart langen Film wie ›Paris, Texas‹ auch noch den Papierkorb durchwühlt, will bestimmt alles ganz genau wissen.
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