
Millennium – Season One
USA 1996
25.02.2005, 12:53, Text:
Sascha Seiler,
Sascha Seiler
D: Lance Henriksen, Megan Gallagher; Fox Home
»This is who we are.« Dieser kryptische Satz und das archaische Symbol, das eine sich in den eigenen Schwanz beißende Schlange zeigt, sind die Kennzeichen der Millennium-Gruppe, einer obskuren Vereinigung von ehemaligen FBI-Agenten, die im Zeichen der herannahenden Jahrtausendwende die Apokalypse anhand deren Vorboten – Serienmörder und Höllenkreaturen – voraussagt. Zur Klärung dieser mysteriösen Mordfälle wird ein Profiler namens Frank Black hinzugezogen, der über eine besondere Gabe verfügt: Er kann, berührt er Opfer oder Tatort, mit den Augen des Killers sehen. Gleichzeitig versucht dieser von seiner grausamen Gabe gezeichnete Mensch ein normales Leben mit Frau und Tochter aufzubauen.
Die erste Hälfte der Serie ist spannend, rasant inszeniert und grausam, gleichsam mit großer Faszination anzuschauen – bis es nach ca. zehn Folgen langweilig wird, den Serienmörder der Woche zu jagen. Das empfand die Fernsehanstalt ähnlich, also gibt es im letzten Drittel eine faszinierende Wendung hin zum fantastischen, jedoch stets präsenten Bösen. Eine Gestalt namens Lucy Butler taucht auf – man kann spekulieren: der Teufel persönlich –, und »das Böse« wirkt plötzlich nicht mehr greifbar. Hier tritt nun die stets im Dunkeln agierende »Millennium-Gruppe« mit ihrem geheimnisvollen Boten Peter Watts, der Frank rund um die Uhr zu observieren scheint, in Erscheinung, doch werden weder Frank noch der Zuschauer über die wahre Motivation der Gruppe aufgeklärt.
›Millennium‹ ist eine Serie, die in ihren nur drei Jahren Laufzeit mindestens vier entscheidende Richtungsänderungen einging, letztendlich jedoch wegen Misserfolgs eingestellt wurde. Bleibt festzuhalten, dass diese erste (sicherlich schwächste) Staffel all das beinhaltet, was Chris-Carter-Serien faszinierend und zugleich auf schmerzhafte Weise schablonenhaft macht: auf der einen Seite der intelligente mythische Überbau, die grandiose kinogerechte Inszenierung und die komplexe Ausarbeitung von religiöser Metaphorik, auf der anderen leider die statische Form, das immer gleiche Narrationsprinzip und der Drang, alles in 40 Minuten erzählt und aufgelöst zu haben. Bei der komplexen Dichotomie von Gut und Böse ist das naturgemäß eher schwierig.
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