
Metallica - Some Kind of Monster
USA 2003
10.02.2005, 20:42, Text:
Carsten Schumacher,
Carsten Schumacher
[3 Kommentare]
Das Interessante an 'Some Kind of Monster', so sagt Drummer-Vater Torben Ulrich, sei ja, dass das Projekt eigentlich als \"some kind of public relations thing\" angefangen hätte. Meine These dazu: Diesen Pfad hat es nie verlassen, sondern ihn konsequent zu Ende beschritten. 'Some Kind of Monster' ist das beste Making Of, das je zu einer Platte gedreht wurde. Schade nur, dass uns immer wieder suggeriert wird, es handele sich hier um den seelischen Offenbarungseid der wohl größten Rockband der Welt. Für manche ist er das wohl. Die Frage ist, ob es daran liegt, dass die Welt einer Metalband nicht mehr zutrauen mochte.
Der Film selber beginnt mit einer Verkaufszahl.
Und die anderen? Lars Ulrich ist der einzige, der mal zu einem klärenden Gespräch bei Megadeth-Mainman Dave Mustaine vorbeischaut. Mustaine knabbert seit den frühen 80ern an seinem plötzlichen Rausschmiss aus Metallica und kann dieses Thema auch in keinen Interview ruhen lassen. Hetfield ist bei diesem Gespräch abwesend - auch das symptomatisch. Man merkt hier die grundlegende Motivation, die Ulrich weiter an die Therapie-Idee glauben lässt, die aber andauernd durch Hetfield untergraben wird. Frustriert versucht er schließlich einen Neubeginn mit dem Verkauf all seines in Form von Gemälden zur Schau gestellten Reichtums. Der Therapeut hingegen ist überall Statist. Selbst Produzent Bob Rock darf sich mehr Selbstbewusstsein erlauben und kommt häufiger zu Wort. Joe Berlinger und Bruce Sinofsky, die Filmemacher, die eigentlich für ein Making Of engagiert worden waren, schneiden Therapeut Phil Towle und all seine Bemühungen, die Bandgeschichte aufzuarbeiten zum größten Teil heraus. Der Zuschauer sieht nur, was auch wirklich für den Zuschauer bestimmt ist. Gelegentliche Gefühlsausbrüche gehören hier zur Selbstdarstellung, die Kontrolle liegt von vorne bis hinten in den Händen der Band, denn die hat schließlich 90 Millionen Alben verkauft. Als in Rob Trujillo schließlich ein neuer Bassist gefunden wird, erhält er als Zeichen der Zuneigung auch demonstrativ eine Millionen Dollar auf die Hand, eine Art von Ehevertrag, eine Absicherung, keinesfalls ein Geschenk auf gleicher Ebene. Die Therapie bleibt nicht mehr als ein Gimmick. Phil Towle wird nicht darum herumgekommen sein, dass essentielle Trauma der Band, den Tod des ersten Bassisten Cliff Burton, zum Gegenstand seiner Sitzungen zu machen, doch davon erfährt der Zuschauer nichts. Am Ende wird schließlich auch der Therapeut entlassen, weil er viel zu viel kostete, die Band eh wieder komplett war, ein Album in der Tasche hatte und das Filmmaterial mehr als ausreichend war. Jetzt musste alles nur noch durch die Kontrolle der Metallica-Maschinerie. Der ausgedünnte Rest feierte schließlich auf dem Sundance-Festival die anvisierten Erfolge. Das reicht? Müsst ihr wissen.
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fleur de lys 03.08.2005 | 13:33:25
guter artikel, leider bislang uebersehen.
insgesamt wohl sad but true, da bewahrheiten sich die finstersten befuerchtungen. der band wurde mit dem tod burtons ein elementares stueck illusion geraubt, und wenn man ehrlich ist, hielten sie bis heute wacker durch als die sportband und wirtschaftsstrategen, die sie in jugendtagen wohl selbst nie werden wollten. sie sind kein einzelfall, vielmehr gehen sie mit den psychischen dilemmas _relativ_ ehrlich um und das auf einem level, das ausser ihnen keine rockband der auch hier zutiefst schuldigen und infektioesen welt nach ihnen mehr erreichte. immerhin haben sie ihre aufrecht arrogante grundeinstellung behalten, auch wenns von aussen ziemlich daemlich ausschaut. nur haben sie eben tatsaechlich mal ein wirklich irre gutes album namens "ride the lightning" gemacht und millionen fans wissen das noch sehr, sehr genau.
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