Laurel Canyon

USA 2003 (R: Lisa Cholodenko; D: Christian Bale, Kate Beckinsale, Frances McDormand; 29.01.)

03.02.2004, 15:01, Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Sam und Alex sind ein akademisch hoch ambitioniertes Ostküsten-Traumpärchen. Sam (Christian Bale, ungewohnt bullig und mit Tränensäckchen leicht in die Jahre gekommen) hat sein Harvard-Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen, seine Freundin Alex (Kate Beckinsale, der man die steife Nerdine angesichts ihrer strahlenden Schönheit nicht so ganz abnimmt) bastelt noch erfolgreicher an ihrer Dissertation über das Fortpflanzungsverhalten von Fruchtfliegen. Beide scheinen viel zu alt für ihr Alter; die versnobte Uni- Gartenparty und die kontrolliert-funktionale Sexszene, wo wir dem Paar zum ersten Mal begegnen, signalisieren erfolgsorientiertes, unpoppiges JungbildungsbürgerInnentum.

Als Sam eine Assistentenstelle an einem Krankenhaus in L.A. annimmt und Alex ihn begleitet, um dort ihre Diss fertig zu schreiben, wollen die beiden sich im Haus von Sams Mutter Jane (Frances McDormand) einquartieren, müssen aber vor Ort feststellen, dass diese nicht, wie ausgemacht, das Feld geräumt hat. Jane, die als alternde und arrivierte Rockproduzentin ihr Haus mit Studio im bohemistischen Laurel Canyon mit Getöse bewohnt (das Strandhaus habe sie einem abgelegten Liebhaber abgetreten, beichtet sie dem Sohn) und die Aufnahmen mit der bei ihr campierenden Brit-Band nicht rechtzeitig abschließen konnte, ist so etwas wie die lebenslange Nemesis ihres gesitteten Sohnes: Sie steht spät auf und arbeitet nachts, nimmt Drogen, hält sich einen erheblich jüngeren Liebhaber (den Sänger der zu produzierenden Band) und lässt sich die Verantwortung den Buckel runterrutschen – das klassische Rock’n’Roll-Programm. Während Sam vom lockeren Lifestyle seiner Mutter angewidert ist und sich für seine israelische Krankenhaus-Kollegin Sara zu interessieren beginnt, rutscht Alex immer mehr aus ihrem Forschungs-Schneckenhäuschen in die knisternde Nähe von Jane und ihrem ungehobelten Mr. Lover-Lover.

Wie schon in ihrem ersten Film ›High Art‹ lässt Cholodenko eine faszinierende ältere Frau in das eingefahrene Beziehungsgefüge eines jungen Paares einbrechen und zwingt damit alle, noch mal ihre festzementierten Rollen zu reflektieren. Doch in ›Laurel Canyon‹ ist vor allem das Spiel mit den verdrehten Oppositionen spannend, das die stereotype Mutter- Sohn-Dynamik mit ihrem altbekannten Verantwortungs- Diskurs auf den Kopf stellt, ohne dabei stumpf Punkte für Non-Konventionalität auszuteilen, da jeder Lebensentwurf gleichermaßen auf seine Autismen abgeklopft wird. Neben der emotional dichten, dabei aber nie kitschigen Beziehungsgeflechts-Story entzücken vor allem die wunderbar satten Bilder aus L.A.s Laurel Canyon. Und natürlich Lou Barlow mit seinen Folk-Implosion-Kumpanen, die als britische (!) Indie-Rock-Band in Janes Studio Hits rausklopfen, die sich auch auf diesen Seiten sehen lassen könnten.



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