Unzertrennlich

USA 2003

03.02.2004, 13:15, Text: Ulrich Kriest, Ulrich Kriest

(R: Bobby & Peter Farrelly; D: Matt Damon, Greg Kinnear, Eva Mendes, Cher, Seymour Cassel, Griffin Dunne; 01.01.)

Mehr noch als für die aktuell bewegten StudentInnen gilt für die Brüder Bob und Walt Tenor der alte Arbeiterbewegungsslogan »Gemeinsam sind wir stark!« Sind sie doch siamesische Zwillinge, teilen sich ein Leben und eine Leber. Seit sie geschlechtsreif sind, ziehen sie manchmal einen Vorhang zwischen sich zu. Gemeinsam führen sie das Quickee Burger, und hinterm Tresen und im Leben sind sie ein unschlagbares Team, dabei durchaus eigenständige Persönlichkeiten. Bob (Matt Damon) ist eher eine Sportskanone, Walt (Greg Kinnear) dagegen ein Schöngeist, er interessiert sich für die Schauspielerei und das Theater.

Weil er in Martha’s Vineyard, wo die beiden leben, damit Erfolg hat, beschließt er eines Tages, in Hollywood anzuklopfen. Doch dort sind sie zunächst noch schwerer zu vermitteln als der Rest des Heeres der nicht-beschäftigten Schauspieler. Von extremen Minderheiten-Pornos reden wir jetzt nicht. Doch dann begegnen die Zwillinge erst einem knurrigen alten Manager (Seymour Cassel) und anschließend Cher, deren Körper ja auch schon ‘ne Menge mitgemacht hat! Überraschend wird die gemeinsame Detektiv-Serie, bei der der brüderliche Zwangs-Nebendarsteller durch Bluescreen-Verfahren live wegretuschiert wird, ein Riesenerfolg und damit zum Problem. Der erste Song nach der Trennungsoperation ist Gilbert O’Sullivans ›Alone Again (Naturally)‹. Doch das ist noch lange nicht das letzte Wort.

Die Farrellys drehen bekanntlich schrille Komödien über einhändige Bowling-Matadore (›Kingpin‹), mental schwerst Herausgeforderte (›Dumm Und Dümmer‹) oder schizophrene Verkehrspolizisten (›Ich Beide & Sie‹), hauen immer fürchterlich auf die Tonne und offenbaren stets ein großes Herz für ihre Figuren. Im Gegensatz zu den »herzlosen« Coens stehen die Farrellys trotz ihrer Weirdness in der optimistisch- humanistischen Tradition Frank Capras. Auch in ›Unzertrennlich‹ ist die Grundidee – wie lebt es sich eigentlich als siamesischer Zwilling? – so konsequent ausbuchstabiert, dass politisch unkorrekte, also herzerfrischende Geschmacklosigkeiten nicht ausbleiben, aber letztlich rührt genau diese Fallhöhe (die ja auch ein Kommentar ist, womit beim Zuschauer zu rechnen ist!) jeden, der (mit wem auch immer) ein Herz teilt, zu Tränen. Laut Platon sucht jeder ein Leben lang nach seiner anderen Hälfte, Walt und Bob haben sie längst gefunden.



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