The Last Samurai

USA / NZ / J 2003 (R: Edward Zwick; D: Tom Cruise, Timothy Spall)

03.02.2004, 12:38, Text: Ulrich Kriest, Ulrich Kriest

Nicht nur die Werke Kurosawas wissen um die Ähnlichkeit des Western und des Samuraifilms. Bereits Terence Youngs Western ›Rivalen Unter Roter Sonne‹ erzählte von den merkwürdigen Begleitumständen der interkulturellen Annäherung zwischen den USA und Japan nach 1870. Durchstreifte seinerzeit Toshiro Mifune noch den Wilden Westen, zieht es jetzt den traumatisierten Militär Tom Cruise in ein sich rasant modernisierendes Japan, das sich gerade dem politischen Zugriff der imperialistischen Großmächte ausgesetzt sieht. ›Shogun‹ revisited. Die Kriegerkaste der Samurai wird die Modernisierungsverlierer stellen, Tom Cruise soll die kaiserlichen Truppen als Militärberater ausbilden.

Gepeinigt von seinen Erinnerungsschüben an Massaker in den Indianerkriegen, wurde Cruise zum zynischen Alkoholiker, der im frühen Showbusiness sein trostloses Auskommen fristen musste, bis ihm der Krieg seine zweite Chance gewährt. Als Gefangener der Samurai lernt Cruise binnen eines langen Winters das Bogenschießen, den Schwertkampf, das Teetrinken und Steingartenfegen, bis ihn der Zen-Buddhismus so weit veredelt hat, dass er sich für den Heldentod eignet – ein Lernprozess mit tödlichem Ausgang: Wie 1914 in Langemarck reiten am Ende die wackeren Samurai ins gegnerische MG-Sperrfeuer. Cruise überlebt allerdings, um den Tenno an seine patriotische Pflicht zu erinnern, die eigene Kultur nicht zu verraten. Jetzt, wo der innenpolitische Gegner ausgelöscht ist, kann man mal über pittoreske Folklore nachdenken. Der Lernende wird zum Lehrer. Hermann Hesse lässt grüßen.

Man denke bitte nicht: Die Widersprüche des Kapitalismus schaffen die Kräfte, die unweigerlich seinen Untergang herbeiführen werden. Hollywood gelingt es nämlich, diese Kräfte in einem sentimentalen Bildungsroman zu transformieren. Der bei der Ausrottung einer fremden Kultur traumatisierte weiße Soldat nutzt die Chance, als teilnehmender Beobachter einer anderen fremden Kultur an deren Untergang zu partizipieren. Todessehnsucht bleibt das prinzipielle Moment des Soldatischen, man erinnere sich bloß an Kevin Costners Selbstmordversuch im Gefecht in ›Der Mit Dem Wolf Tanzt‹. Eine Frage bleibt: Wie viel widersprüchliche Diskurse kann ein Film integrieren, ohne zu implodieren? ›The Last Samurai‹ ist schwer trivial, aber ihm gelingt es durch epische Breite und Oldschool-Erzählweise, interkulturelle Tiefe zu suggerieren und zudem auf dem aktuellen Japan-Chic zu surfen.



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