A Tribe Called Quest

A Video Anthology

22.08.2002, 16:51, Text: Matthias Hörstmann, Matthias Hörstmann

SUBJEKT: Neben Gang Starr waren/sind sie die kontroversen HipHop-Größen des Intro-Kosmos’, also echte Helden quasi. Und Anwärter für den Titel “HipHop-Lebenshilfe e. V.”. Der “abstract rapper” Q-Tip, Phife und Ali fungieren als die ureigensten, niemals lächerlichen Rap-Repräsentanten des universellen Statements “Liebe”. Doch nicht nur die Rhymes, auch die Beats, Samples und Sounds sind elementarer Bestandteil ihrer HipHop-Lebens-Einheit. Und wer könnte sie besser auswählen, um- und einsetzen als Ali Shaheed Muhammed, dieser Großmeister der relaxten und schwerelosen Grooves, dem es stets gelang, diese unerreichte Symbiose von Wort und Klang zu kreieren? Das Ergebnis zieht jeden in seinen Bann, lässt quasi Milch zu Butter werden.

Oder, wie Q-Tip sagt: “No matter the weather or where you at / this is how we gonna do it ‘cos we keep shit fat.”
OBJEKT: Eigentlich nur eine schnöde Videoclip-Werkschau ihrer fünf Studioalben aus den Jahren 1989 bis 1998. Weil ATCQ aber weder audio noch visuell schnöde sind, begeistert diese DVD. Die ansprechend produzierten und mit guten Storyboards versehenen elf Videoclips schafften es stets, die richtigen Vibes zu transportieren, da sie die Emotionen des jeweiligen Songs visuell locker in prächtigen Technicolor transferieren. Interessant auch, anhand der Clips die Entwicklung der Band innerhalb der Neunziger zu verfolgen.
ORNAMENT: Keinerlei Extras vorhanden. Dabei wären selbst die klassischen Tools wie “Making of”, “Tour-Tagebücher” oder Interviews für den Fan lohnenswert gewesen. Andererseits gibt’s somit auch keine Alibi-Extras, welche die Erwartungen eh nicht erfüllen können.
WAS BLEIBT: Eine Werkschau echter HipHop-Klassiker. Ein ums andere Mal beschert es mir feuchte Augen ob der emotionalen Bilder auf dem Bildschirm oder meiner Erinnerungen. Um den geschätzten Armin Bauer aus seiner ersten ATCQ-Story zu zitieren: “Tribe, die Freundlichen, die Konsistenten, die Hippiesken, dabei aber nicht schwächelnden, nicht de-la-soul-ish verspielten, sondern Cool-Nachdrücklichen, Sanft-Harten, Nah-Fernen, Intellektuell-Realen.” Und mit ihrer lockeren Ernsthaftigkeit und zeitlosen Kompositionen schaffen es ihre Tracks auch heuer noch, jede Party zu rocken. Wenn auch ohne Extras ein echtes Muss für jedes Archiv, weil es eben nicht darin verstaubt.



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