SILVER SURFER
Neues auf Blu-ray
23.07.2009, 17:44, Text:
Alexander Dahas
Wenn es einen Moment gab, der ansonsten durchaus reinlichen Normalbürgern das Rumplanschen im Matsch nachdrücklich anempfohlen hat, dann dieser historische: Woodstock dauerte zwar "nur" dreieinhalb Tage, aber das Chaos-Festival ist seitdem zum unerreichten Vorbild für sämtliche derartigen Großveranstaltungen geworden.
Das ungebremste Aufeinanderprallen von Mensch und Natur, gerne auch unter Zuhilfenahme von Drogen und Verachtung sanitärer Anlagen, wird jetzt routinemäßig als Durchbruch in höhere Bewusstseinsebenen ausgegeben. Wobei das Original durchaus mit ein paar schlagkräftigen Argumenten aufwarten konnte: Zwei Jahre nach Monterey hatten selbst brave Familienväter die obligatorischen langen Haare, und Mondlandungen wurden im TV quasi als Sättigungsbeilage zu den Exzessen des Vietnamkriegs gereicht.
In der Gegenkultur war es schon etwas morastig geworden, und dementsprechend nahm sich das Line-up des Festivals so eklektisch wie disparat aus. 400.000 Zuschauer konnten eh kaum verstehen, was aus der winzigen PA kam, und Videoleinwände waren natürlich noch Zukunftsmusik. Doch bei Woodstock zählte im Nachhinein eben vor allem die Atmosphäre, und die war laut Beweislage tatsächlich auffallend inspirierend. Bedingungen wie die von damals würden heute wohl Klagewellen nach sich ziehen, 1969 dagegen stand zu viel Zivilisation auf einmal vermutlich eher im Verdacht, irgendwie dem militärisch-industriellen Komplex zuzuarbeiten.
Bleibt die Musik. Es ist kein Zufall, dass man mit Asselpunk und Volksmusik niemanden lange ruhigstellen kann, was bei psychedelischen Klängen schon ganz anders aussieht. Auffällig, dass sowohl verschmitzte Folkies wie John Sebastian als auch Topverdiener wie Jefferson Airplane in Michael Wadleighs legendärer Dokumentation "Woodstock - 3 Days Of Peace & Music" eine gewisse Naivität verströmen, die den Songs etwas sehr Gewinnendes verleiht. Und auch wenn es einem nach 20 Stunden Dauerbeschallung irgendwann vermutlich egal sein dürfte, ob Jesus persönlich auf der Bühne steht, vermittelt der Film den Zuspätgeborenen heute noch ein hohes Qualitätsniveau. Flower-Power-Götter wie Jimi Hendrix oder Janis Joplin zeigen sich ebenso spielfreudig wie aufstrebende Größen à la Sly & The Family Stone sowie der unvermeidliche Joe Cocker. Ironischerweise sorgt gerade das technisch anspruchsvolle Blu-ray-Verfahren hier für eine besonders intensive Bühnenpräsenz und staubfreie Liveschaltung ins Hippieparadies. Die "Ultimate Collector's Edition" währenddessen ergänzt das nachträglich zum Free Concert umetikettierte Happening um 18 nie gesehene Auftritte von Mountain, CCR, Grateful Dead und anderen. Far out, man!
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