So war das Berlin Festival 2011

Die Highlights vom Samstag: Casper, Kraftklub, Beginner... - inkl. Videoblog

10.09.2011, 14:09, Text: Carsten Schumacher, Peter Flore, Foto: Philipp Böll

Intro berichtete zwei Tage live vom Berlin Festival auf dem Flughafen Tempelhof. Carsten Schumacher und Peter Flore waren für euch vor Ort - inkl. Floor Funk vom Rollfeld.

Samstag, 00:19 Uhr, Intro Stage
Die Beginner sagen in ihrer Zugabe »Danke!« und bringen das Berlin Festival damit zu einem emomäßig brausenden Abschluss. Vielleicht war ihr Auftritt nicht für samt sonders alle noch final feiernden Besucher zwingend, aber die HipHop-Fraktion gab sich alle Mühe, den großbühnenerfahrenen Jan Delay, den dadurch und nach all der Abstinenz etwas überschatteten Denyo und den über allem thronend flink fingernden DJ Mad nach Kräften zu feiern. D-Flame war zwischendurch da gewesen, Turnschuhe mussten irgendwann auf Bandgeheiß ausgezogen und hochgehalten werden und ein Best-of-Set wurde abgefackelt. Keine neuen Songs, kein Wort zum wohl doch noch kommenden Album, aber alles in allem eine derb warmherzige Wiedersehensfeier.


Samstag, 23:27 Uhr, Hangar 4
Mogwai sind als ausgebuffte Halunken wie immer auf Wall of Sound aus. Als der Hangar da zunächst nicht so richtig mitmachen will, wird kurzerhand die Technik angepasst. Dann geht’s weiter und ab hier ist der Klang dann genau wie erhofft und föhnt und föhnt.


Samstag, 22:24 Uhr, Hangar 4
Indiehausen hat sich zu deus verzogen, während die Elektros auf der Intro Stage der Feuerwehr gerade nen Herzkasper spendieren (aka Boys Noize spielt an den Pyro-Knöpfchen rum). Hier im Hangar sind die 90er noch in Ordnung, es herrscht warme und herzliche Gitarrenatmosphäre.

Samstag, 21:55 Uhr, Hangar 5
»Zu viele Scheißbands, zu viel Hype« – Casper arbeitet hart, schwitzt. Seine wie immer heiser wirkende Stimme quetscht mit jedem »Nochmal!« noch was aus dem Hangar raus. Zum ersten Mal sieht man ihn heute ohne Mütze. Sind das seine Eltern da ganz vorn an der Seite? Ein Ehepaar entsprechenden Alters wäre angemessen aufgeregt. Als die vermeintliche »Mutter« Luftgitarre spielt, wird sie vom vermeintliche »Vater« weggezogen. Hier feiert ein buntes Publikum. Es werden Fahnen von »Die Partei«, »Viva con agua« und eine Zuckerwatte geschwenkt.

Samstag, 21:07 Uhr, Intro Stage
Fliegender Wechsel. Das Publikum aus Hangar 4 strömt von Pantha du Prince mehrheitlich zu Boys Noize (Alexander Ridha), der hier seinen legendären Auftritt vom letzten Jahr zu wiederholen sucht und ordentlich was abfackelt. Tausende Mägen voller Erwartungshaltung müssen monströse Bässe schlucken. Gruß an die Anwohner, schlimmer wird's dahingehend nimmer. Das Berlin Festival freut sich hingegen wie Bolle und kiekst, jubelt und ravt. Wenn die Aufmerksamkeit abzuschweifen droht, zündet Ridha seine Geheimwaffe und brachiale Nebelfontainen schießen vom Bühnenrand in den Nachthimmel (Feuer hatten wir da schon, damit wurde begonnen). Das Double scheint zu gelingen.

Samstag, 21:00 Uhr, Hangar 4
Hendrik Weber spielt mit dem eigenen Mythos. Der als Pantha du Prince bekannte Elektro-Künstler macht auf Sunn o))). In Gefolgschaft eines Unterstützers hat er in übergroßen Mönchsroben die Bühne betreten und es beginnt ein Spiel aus sinistren Klängen und Schattenspielen hinter dem Paravent. Irgendwann enthüllt sich Weber dann und beendet das Set in Straßenkleidung, während sein Co weiter finstere Moves vollführt.



Samstag, 20:26 Uhr, Intro Stage
Beirut bringen nun auch noch den World Sound im Indie-Format samt Orchester auf's Berlin Festival. Es wird artig gelauscht und geschwelgt. Gute Stimmung, man möchte Wein und Schnittchen reichen.

Samstag, 20:13 Uhr, Hangar 5
Die portugiesisch/angolanische Kuduro-Band Buraka Som Sistema ist eine Offenbarung für Hangar 5. Sie sagen "put your hands up" und der Hangar tuts ohne Zögern und Murren. Die Band tanzt ohnehin meistens selber auf der Bühne, das steckt an. Gerade die einzige Frau in der Band tritt bisweilen in die Fußstapfen von Josephine Baker in ihrer Art frenetisch tanzend wie freudig lächelnd auszurasten.

Samstag, 19:28 Uhr, Hangar 5
Pierre-Alexandre Busson aka Yuksek hat einen Keyboarder und eine Schlagzeugerin mit auf der Bühne und der Hangar tanzt wirklich bis in die letzte Reihe. Der Mond steht am Himmel, Berlin Festival ist jetzt ready to party. Der sonst eher schüchterne Franzosen-DJ weiß aber auch ordentlich zu bespaßen.

Zu sehen gibt es auch etwas für die Daheimgebliebenen: ZDF.kultur überträgt heute Abend ab 20:00 Uhr vier Stunden Konzert-Highlights des Festivals – live moderiert aus Tempelhof. Und in den kommenden zwei Wochen gibt es täglich ab 19:00 Uhr eine 1-stündige Dosis Berlin Festival auf ZDF.kultur.

Samstag, 19:15 Uhr, Hangar 4
Die texanischen Black Angels braten den Hangar in einem Maße, dass man mutmaßen könnte, hier wurde der Mischer entweder narkotisiert oder bestochen. Die unehelichen Kinder von Velvet Underground bewegen sich hier irgendwo im Ozean des Psychedelischen zwischen Shoegaze und 60ies-Sound bis hin zu Ausflüge in die Beat-Kiste. Der Metall-Deckel des Hangar scheint das akustisch zu mögen, das Publikum auch (obgleich jetzt niemand aus dem Anzug hüpft vor Verzückung).

Samstag, 18:56 Uhr, Intro Stage
The Naked And Famous spielen »Young Blood«, den Hit, auf den die meisten hier gewartet haben. Berlin kann sich also wie im Viva-Spot fühlen, eine Welle der Festival-Emotionen, wie sie die Band beim Melt! in diesem Jahr lostrat, kann sie jedoch nicht in dem Maße wieder gewinnen. Sie bekommen dennoch einen Schlußapplaus wie eine der großen Bands.

Samstag, 17:24 Uhr, Hangar 5
Während von hinten der Wind herüberweht, dass Aloe Blacc dringend etwas Geld benötigt und Caspar im Hangarpublikum genötigt wird, für Fan-Fotos junge, hübsche Damen in die Arme zu nehmen, haben seine Kumpels Kraftklub hier die Herrschaft übernommen. Zwischendurch klagen sie zwar, dass alle hier (sie eingeschlossen) ja noch nüchtern wären, bringen aber im nächsten Moment wieder alles zum Springen und Klatschen. Dann folgt Pogo. »Randale! Heyhey!«. »Ich will nicht nach Berlin« wird kurzfristig zur Hymne des Festivals deklariert.

Samstag, 17:09 Uhr, Hangar 4
Mount Kimbie hängen gebeugt über ihren Sequenzern und zucken, als wäre die Matrix kaputt. Im Publikum wird solidarisch mitgezuckt. Dann wird auf der Bühne die Gitarre ausgepackt, homöopathisch eingesetzt und wieder weggepackt. Die Musik wird kimbieger und damit leicht versuppt schwurbeliger. Nun zucken nur noch die Tapferen, der Rest mischt den Sound einfach mit den eigenen Gedanken, die bei vielen augenscheinlich noch um den letzten Abend kreisen.

Samstag, 16:48 Uhr, Intro Stage
Aloe Blacc sieht zwar aus als habe er überhastet eine Hochzeitsfeier verlassen, um es noch rechtzeitig zum Gig zu schaffen, beweist dann aber scheinbar ganz ohne Anstrengung wie viele Leute sich auch hier für den Soul begeistern lassen. Endlich stellt der weibliche Anteil der Publikums mal die Mehrheit und das Berlin Festival absorbiert die zusätzliche Facette mit tüchtig Hüftschwung. »You Make Me Smile« heißt der nächste Song, die Intro Stage ist nun ganz offiziell voll im Groove und weiter hinten wird das Rollfeld zur entspannt lächelnden Liegewiese.

Samstag, 15:46 Uhr, Intro Stage
Retro Stefson studieren mit dem Publikum eine Choreo ein. So eine Art Yoga für Kopfschmerzversehrte, die zusätzlich sexy machen soll. Es folgt die Sequenz, bei der sich alle wie bei einem Fußballspiel hinsetzen sollen, um dann bei einem imaginären »Tor« wie vom Insekt gestochen aufzuspringen und die nächst greifbare Person zu küssen. Die Typen kann man echt in jeden Cluburlaub schicken, perfekte Warmupper. Anschließend plaudert Sänger Manuel Stefánsson noch darüber, dass die Wohnung von ihm und seinem Bruder (der Vorturner in den engen Shorts) quasi in Sichtweite der Rollfelds läge. Distanzlos, aber drollig. Dem aufgewärmten Publikum wird zusätzlich noch warm um's Herz.

Samstag, 13:30 Uhr, Rock'n'Roll Rollfeld aka Flughafen Tempelhof
Der zweite Tag ist angebrochen, die frühen Vögel werden eingelassen und können schon mal über das Gelände flanieren und evtl. die Möglichkeiten nutzen, die gestern noch vom reichhaltigen Musikprogramm überlagert wurden. Die Bandbreite geht dabei vom so profanen wie leckeren Essen über die Stimmungskanone Autoscooter bis hin zu nachhaltigen und ernsten Themen wie die Stimmabgabe gegen Armut und die Teilnahme am allseits bekannten Spot. Anschließend eröffnet ein Rundgang durch das inzwischen wieder rege beackerte Art Village so manch neue Perspektive. Ein tolles Schlendern zwischen Rummel und Kandinsky noch bevor überhaupt der erste Ton aus den Boxen tropft.



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aus Intro #196 (Oktober 2011)
 
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  • User: Intro
  • Intro 10.09.2011 | 14:09:00

    Das Berlin Festival 2011 läuft. Intro berichtet auch am Samstag live vom Berliner Flughafen Tempelhof und der anschließenden Clubnacht.

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