
So war das Berlin Festival 2011
Die Highlights vom Freitag: Primal Scream, Battles, CSS, Apparat Band
09.09.2011, 18:38, Text:
Carsten Schumacher,
Peter Flore, Foto: Christian Faustus
[2 Kommentare]
Intro berichtete zwei Tage live vom Berlin Festival auf dem Flughafen Tempelhof. Carsten Schumacher und Peter Flore waren für euch vor Ort.
Freitag, kurz nach Mitternacht, Rollfeld
Die Band Camera gibt mitten zwischen den zum Ausgang schlendernden Besuchern einen Sponti-Gig, der im Handumdrehen eine dicht stehende Menschentraube um sie sammelt. Ein schönes, kleines und durch die Umringenden spürbar angestacheltes Set, das man hier weitestgehend gewähren lässt und das die Ordner erst auflösen, als die Musiker sich dazu hinreissen lassen, den Moment knapp zu verpassen, an dem es am schönsten war.
Freitag: 23:33 Uhr, Hangar 5
LFO bolzen gut was weg. Der Sound ist schon deutlich Retro, stößt aber auf breite Begeisterung im Publikum, dass sich auch ständig vergrößert. Ab und an weht es ein paar Chöre von Suede rüber, wenn man etwas weiter außerhalb steht.
Freitag, 23:21 Uhr, Hangar 4
Haben sich Wire in die Simple Minds verwandelt? Unter Umständen hatten einige etwas anderes erwartet, aber Wire spielen zumindest im Moment lupenreinen Pop, haben alle bis auf einen kaum noch Haare und Sänger Colin Newman trägt eine Art Lesebrille. »Pink Flag« kommt heute wohl weniger zum Zug, aber andererseits ist Newman schon wandelbar genug, dass nichts wirklich lupenrein bleibt.
Freitag, 23:12 Uhr, Intro Stage
»Sing it!«, befiehlt Bret Anderson von Suede, doch das Berlin Festival will nicht. Es wartet auf den Hit und irgendwas mit mehr Britpopfußballchorappeal. Kommt dann auch. Bret steht immer noch breitbeinig erwartend auf der Bühne und Berlin macht mit. Noch später weht der Wind Fangesang übers Feld, den Beady Eye heute so schmerzhaft vermissen.
Freitag, 22:16 Uhr, Hangar 4
Apparat verlieren ein Becken. Also eigentlich ist es Sascha Rings Schlagzeuger, dem da eins verloren ging. Ring witzelt dagegen, die für Becken relevante Stücke seien eh nun durch. Die Band spielt »Ash«. Fahl ist der Hangar erleuchtet, das Licht vom Gastroteil in der einen Ecke wirkt dagegen schon brüllend. Der Sound steht hier also eher für sich und der ist gar nicht übel. Man merkt, dass sich die Band bei aller Konzentration hier wohlfühlt und dem Set tut das wirklich gut.
Freitag, 21:20 Uhr, Intro Stage
Bobby Gillespies Backgroundsängerin, die bei dieser Aufführung von »Screamadelica« gleich den ganzen Gospel-Chor vertreten muss und in die figurmäßig gleich vier Gillespies passen würden, macht einen Highkick und wirft den Leuten die Brocken um die Ohren. Was eine Viertelstunde eher etwas hüftsteif als Memorialshow begann, geht plötzlich gut los. Viele hat es angezogen, viele, die damals (1991) nicht dabei waren. Manche, die damals noch in der Grundschule waren. Wenn eine Band ein komplettes Album ohne Punkt, Komma und Zusätze spielt, ist die Erwartungshaltung natürlich erdrückend. Gleich drauf folgt wieder eine Ballade - Primal Scream verlieren kurzzeitig wieder. So eine Album-Show bei einer Publikumsmehrheit unter 30 ist nicht immer einfach. Die Lichtshow kann halt auch weder Chor ersetzen, noch die Zeit zurückdrehen und die Musiker in die unzähmbar erlebnishungrige Meute von damals zurückverwandeln. Dafür bringen es die Schotten aber noch gut nach Hause.
Freitag, 19:55 Uhr, Intro Stage
Battles gewinnen an Drehmoment, davor war eher Jazz. Es ist ohnehin immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen der Battles-Sound anzieht, der ja doch nicht immer einfach und überhaupt schwer einzuordnen ist. Es ist also ein gut besuchtes Staunen. Tanz ist dazu gar nicht so schwer, einige schalten Kopf und Augen aus und praktizieren ihn sogar richtig gut, die meisten werden allerdings durch Staunen davon abgehalten. Der Band selbst ist das hinlänglich egal, sie ist sich weitestgehend selbst genug.
Freitag, 19:13 Uhr, Hangar 5
Hangar 5 hat die Hände oben, CSS-Sängerin von Luisa »Lovefoxxx« Hanae Matsushita hat die Lage fest im Griff und gibt die Frontsau. Die punkigeren Stücke kommen phantastisch an und werden später wieder von den diskolastigeren Sachen ergänzt, bei denen der Sound dann auch weniger matscht.
Freitag, 19:05 Uhr, Intro Stage
Auf der Hauptbühne verabschieden sich gerade The Drums und das so lässig wie auch immer etwas vom Publikum abgewandt. Letzteres kennt das Spiel und honoriert das abgeleistete Set dennoch sehr höflich. No big deal.
Freitag, 18:51 Uhr, Hangar 4
Health erzeugen merkwürdige Geräusche. Der Bass klingt gerade nach einem übereifrigen Rasierapparat und als das nächste Stück losgeht, lässt Drummer Benjamin Jared Miller (Typ mittelschlanker Samoaner) seine Sticks wieder aus der Höhe einer vollen Armlänge auf die Snare runterdonnern und rammt seine Bass Drum in den doch recht gut gefüllten Hangar als gäbe es hier sehr ernste Dinge zu besprechen. Dann schwebt wieder Jake Duzsiks süßliche Stimme über allem. Irgendwie stehen Health manchmal zwischen Esoterik und den Neubauten. Industrial Schamanismus oder so.
Freitag, 18:29 Uhr, Flughafen Tempelhof
Seit 14 Uhr läuft das Berlin Festival - und damit vielleicht das letzte Highlight des Open-Air-Sommers. Auch wenn es über dem großen Halbkreis des beeindruckenden Flughafengebäudes Tempelhof nicht danach aussieht: Der Wetterbericht hat zumindest für den morgigen Samstag noch einmal ein letztes Aufbäumen des fast schon vergessenen Sommers 2011 angekündigt. Beste Voraussetzungen also, um den Tag vor einer der drei Bühnen auf dem Flughafengelände zu verbringen und sich auf eine lange Nacht in den Berliner Clubs einzustimmen.
Und wer hätte das Festival 2011 besser eröffnen können als einer der Künstler, die 2011 bereits jetzt nachhaltig geprägt haben: der Londoner Dubstep-Überflieger James Blake stand zur für ihn ungewohnten Zeit um 14 Uhr auf der Main Stage, vor einem zu diesem Zeitpunkt noch überschaubaren Publikum. Ihm folgten bereits Waters, das Kompakt-Highlight Rainbow Arabia und The Rapture.
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Intro 09.09.2011 | 18:38:00
Das Berlin Festival 2011 läuft. Intro berichtet die kommenden zwei Tage live vom Berliner Flughafen Tempelhof und der anschließenden Clubnacht.
Hirntot 15.09.2011 | 14:48:09
Battles fandet ihr gut besucht?? Man konnte während der Show ohne Ellbogeneinsatz in die erste Reihe durchgehen. Für eine Band, die um 20 Uhr auf der Hauptbühne spielt, war es schon sehr licht. Aber gut, das ganze Festival war wohl auch schlecht besucht. Echt schade, weil gutes Line-Up und nettes Ambiente.
Schade, dass hier nichts zu Santigold steht, die hätt ich so gerne gesehen. Aber geiles Punkkonzert im Cortina Bob ist dann doch besser als jede Festival-Show.
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