
25 Jahre Summerjam
Zehn Fragen an den Veranstalter
02.07.2010, 10:10, Text:
Felix Fast, Foto: Tobias Vollmer
Jetzt geht's los: Das Summerjam feiert seinen 25. Geburtstag. Zum diesjährigen Line-up vom 02. bis 04. Juli am Fühlinger See in Köln gehören La Brass Banda, Inner Circle, Capleton, Max Herre, Gil Scott-Heron, Ohrbooten u.v.m.
Klaus Maack, Veranstalter des Summerjams, hat unserem Autor Felix Fast verraten, wie sich ein Vierteljahrhundert Reggae-Festival auf dem Buckel anfühlt:
Woran erinnerst Du Dich beim ersten Summerjam vor 25 Jahren?
An absolutes organisatorisches Chaos, weil wir das davor ja noch nie gemacht hatten. An tolles Wetter, und wir waren beim ersten Mal auch schon ziemlich gut besucht. Insgesamt schöne Erinnerungen, die natürlich in 25 Jahren etwas verblasst sind.
Was hat damals eigentlich den Anstoß gegeben?
Die Idee, dieses Festival aufzustellen, war mir in meiner Zeit als Traveller gekommen, ich bin davor viel gereist. Nachdem man die Musik auf Jamaika oder in Goa gehört hatte – da lief ja auch viel Reggae – dachte ich mir irgendwann, das könnte man auch bei uns machen, da gibt es ja auch einen Sommer. Und wir haben das dann einfach mal versucht. Natürlich waren dafür noch keine Strukturen gewachsen, es gab kein Internet, man wusste früher nie genau, kommen die Künstler wirklich oder nicht? Woran ich mich sehr positiv erinnere, ist der Auftritt von Gil Scott Heron, der 1986 auf dem Summerjam dabei war. Deswegen freue ich mich richtig tierisch darüber, dass wir ihn auch für dieses Jahr buchen konnten.
1986 war ja pophistorisch die Zeit von Gangsta-Rap, von Dancehall, von Indie-Rock, das hat euch aber eher nicht so interessiert...
Weil auf einer anderen Ebene Roots-Reggae, Message-Reggae gerade in Deutschland eine ganz starke Fanbasis hatte.
OK, war ja auch die Blütezeit der Friedensbewegung in Deutschland.
Man konnte damals nicht so eklektisch die verschiedenen Stile vermischen wie heute. Die „Credibility“ der Bands stand sehr viel mehr im Vordergrund
Fotostrecke:Das war das Summerjam 2009
Wir haben mit solchen Trendgeschichten eigentlich immer schlechte Erfahrungen gemacht, die sind live schlecht rübergekommen, viele Acts haben mit Halb-Playback gespielt, waren von der Performance her mäßig.
Wie habt ihr das diesjährige Festival geplant? Nach welchen Kriterien seid ihr vorgegangen?
Als ich in die Planung ging, hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder, auf so ein Best-Of-Programm einzusteigen, also die Highlights früherer Festivals ranzuholen, und wenn ich sie aus dem letzten Winkel Jamaikas hätte zusammenfahren müssen. Oder aber, in die heute angesagten Richtungen zu gehen, etwa in die von Nas & Damian Marley, die ja auch Reggae machen, bei denen sich irgendwie aber ein Kreis schließt. Ich wollte die alten Zeiten alte Zeiten sein lassen und etwas Neues anfangen. Das Line-up ist für Summerjam-Verhältnisse schon recht progressiv. Ich stelle da einen Max Herre direkt neben einen Gil Scott-Heron, die werden auch nacheinander spielen, um den Kontrast zu zeigen.
Mal abgesehen von politisch angehauchten Künstlern wie Scott-Heron oder Damian Marley trägt das Summerjam 2010 das Motto: Let The Spirit Rise, im Sinne von „Freude haben, die Seele fliegen lassen“. Politische Ambitionen habt ihr mit dem Festival also nicht?
Auf keinen Fall, das ist immer noch eine Party. Aber sie steht in einem Kontext.
Wie ist so die Altersspanne im Publikum?
Überwiegend so Mitte 20, aber es kommen durchaus auch Leute, die über 30 sind. Der Anteil an Besuchern aus dem europäischen Ausland ist groß, es kommen an die fünftausend Fans aus Frankreich, weil wir französische Vorverkaufsstellen haben. Außerdem versuche ich auch, junge internationale Bands zu buchen, dieses Jahr etwa Morodo, die in Spanien den Status von Gentleman bei uns haben. Die spielen in Barcelona schon mal vor 7000 Leuten. Oder SOJA, eine Amiband aus Washington, die da drüben einen Riesenerfolg hat, die spielen sich da den Arsch ab. Ich möchte das Line-Up nicht mehr nur auf Jamaika beziehen, da kommen zwar immer noch die Anregungen her, aber es ist nicht mehr das nonplusultra. Vor 25 Jahren war es kaum denkbar, dass du eine Band aus Frankreich oder Deutschland im Line-Up hattest.
Es werden ja auch immer noch diverse Reggae-Urgesteine wie Toots & The Maytals oder Inner Circle auftreten, wie lässt sich das alles sinnvoll kombinieren?
Wir haben zwei Bühnen, beide ungefähr gleich groß, mit der gleichen Kapazität davor. Ich kenne ja ungefähr das Publikum und versuche, die Bands so aufzuteilen, dass kaum jemand in Gewissenskonflikte kommt, zwei gleichzeitig auftretende Bands gleich gern sehen zu wollen.
Vor ein paar Jahren habt ihr mit der Drogenhilfe Köln ein Suchtpräventionsprogramm initiiert, was stand dahinter?
Es gibt vor jedem Festival Gespräche mit der Stadt. Wir haben mittlerweile den Vorteil, dass wir schon lang an einem Ort sind und nicht immer wieder bei Null anfangen müssen, sondern von den Erfahrungen des letzten Jahres ausgehen können. Jedes Festival hat eine Drogenproblematik, und wir versuchen, Aufklärungsarbeit zu machen. Es ist schon wichtig, die Leute zum Nachdenken zu bringen, manche brauchen da einen Anstoß.
Weitere Infos auf www.summerjam.de/ oder unserem Festivalprofil.
La Brass Banda – Marienkäfer (live beim Grütten Hill 2007):
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