So war das Reading Festival

... und immer diese Wurfgeschosse!

26.08.2008, 17:00, Text: Daniel Koch

„Wollt ihr Musik hören oder dumm sein und Gegenstände schmeißen?“ Es ist 1988, Meat Loaf steht auf der Hauptbühne des Reading Festivals und muss feststellen, dass seine „Bat Out Of Hell“-Geschmocke nun so gar nicht ankommt. Die Menge antwortet im Reading-Style und wirft, was es in den Händen hat. Der Volltreffer gelingt einem jungen Herren, der zuvor in mühevoller Strullarbeit einen Anderthalb-Liter-Flasche-Cider vollgepisst hat. Er trifft Meat Loaf am Kopf. Ende des Auftritts.

Das Reading Festival feierte in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag, was ein wenig gemogelt ist, denn die Ursprünge des Events liegen bereits im Jahr 1961 – und zwar im National Jazz Festival, das wenige Jahre später in die Londoner Satteliten-Stadt umsiedelte.


Aber – und deshalb geht das wohl klar – in seiner jetzigen Version als riesigen Rockevent mit dem wohl eindruckvollsten Line-up gibt es Reading eben seit 20 Jahren. Eine Zeit, in der man dort schon viele geschichtsträchtige Momente erleben durfte. Zum Beispiel 1992, als Kurt Cobain praktisch direkt aus dem Rollstuhl bzw. einer langen Entziehungskur seinen letzten UK-Gig spielte. Oder schon 1990, als er die Menge dazu brachte „We love you Courtney!“ zu brüllen – obwohl sie zu der Zeit die Yoko Ono des Grunge war. A propos: Courtney spielte zum Dank auf Reading ihren ersten Hole-Gig nach Kurts Tod. Ebenso wie die Manics ihren ersten Gig nach Verschwinden ihres vierten Bandmitglieds Richey in Reading wagten. Die Stone Roses hingegen lösten sich 1996 unmittelbar nach ihrem vergeigten Gig auf.

Viel spannender ist aber eigentlich die spezielle Historie der zahlreichen Wurfgeschosse, die mit den Jahren auf oder von der Bühne geworfen wurden. Oder durch’s Publikum flogen. Spitzenreiter dabei sind die oft mit Fäkalien gefüllten Flaschen, die nicht nur Meat Loaf, sondern auch The Rasmus, Panic At The Disco oder 50 Cent abbekommen hatten, was meistens zum Abbruch des Konzerts führte. In die andere Wurfrichtung sind bis heute legendär: 50 Cents Mikro, das er zufällig seinem wohl einzigen zugereisten Fan in die Fresse warf (nachdem er genau die 20 Minuten live spielte, die er brauchte, um seine Gage einzustreichen) und der Tampon, den sich L7s Donita Sparks live und in Farbe auf der Bühne aus dem Leibe zog, um ihn in die buhende Menge zu werfen. Man muss sich also nicht wundern, wenn man als zugereister Schreiberling auch mal einen Burger an die Schulter geworfen bekommt. Den streicht man dann einfach mitsamt Saucenrest vom T-Shirt, freut sich dass einem Unbekannter die Aktion satte fünf Pfund wert war und geht zum nächsten Gig.

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