
So war das Haldern Pop
Wohl dosierte Atempausen
17.08.2009, 18:00, Text:
Christoph Dorner
„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran“. Als Fettes Brot am Samstag als Headliner auf der Hauptbühne zu später Stunde den alten Fehlfarben-Klassiker „Ein Jahr (Es geht voran)“ herauskramten hatte das Haldern Pop seinen Vertrag als Festival mit Geschichte und mit Raum für die Geschichten der Bands und ihrer Zuhörer längst um ein weiteres Jahr verlängert. Dabei stimmt das mit dem Verzicht auf die Atempause natürlich nur bedingt. Schließlich werden in Haldern an den drei Tagen im August Entschleunigung und Entkrampfung jedes Jahr aufs Neue propagiert und gelebt. Gerade ein Jahr nach dem aufreibenden 25-jährigen Festivaljubiläum hatte man sorgsam ein Line-up zusammengestellt, bei dem viel Wert auf gehobene Musikalität und ruhigere Zwischentöne gelegt wurde.
Die Wortschöpfung „Kommuplikation“ als Ausdruck für den kollektiven Verlust an Empathie durch eine mediale, aber sicherlich auch musikalische Penetration im Alltag hatten die Macher ja nicht umsonst kreiert. Man sollte also genau hinhören, bei den Bands und den mitgereisten Freunden. Wer dies schon am Donnerstag im abermals prachtvollen Spiegelzelt tat, erlebte die etwas uninspiriert rumpelnden Baddies und das an sich spannende, mitunter aber arg exaltierte Hipster-Getrommel des schwedischen Duos Wildbirds & Peacedrums. Überschwänglich aufgenommen wurden dagegen die Schotten Broken Records, die breit arrangierten Indie-Pop mit Folk-Identität darboten, sowie der druckvolle Indierock der Kanadier Wintersleep.
Viele zerbrechliche Pop-Entwürfe hatte man in diesem Jahr gebucht, deren Wesen sich mitunter auch auf die Künstler selbst übertragen hatte. Doch während Anja Plaschg alias Soap & Skin mit gebrochenem Handgelenk am Donnerstag nicht auftreten konnte, gab es von Owen Pallett via Twitter Entwarnung: „Still a little grog-faced but Haldern is a go“, teilte der Kopf hinter Final Fantasy mit und türmte am Freitag in der Nachmittagshitze Geigenspuren und Melodiebögen übereinander, dass es eine Freude war. Die Brit-Popper Athlete wiederum nutzten die krankheitsbedingte Absage von Paolo Nutini und spielten in Vertretung auf dessen Headliner-Slot neben Hits wie „Wires“ und „El Salvador“ erstmals Stücke des kommenden Albums „Black Swan“. Davor hatte die Schwedin Anna Ternheim bereits eindrucksvoll angedeutet, dass sie der Kategorie „Mädchen mit Gitarre“ längst entwachsen ist und ihre Stücke mit großartiger Backing Band mittlerweile zu dichtem, atmosphärischem Pop umarrangiert.
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