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Der dreizehnte Teil der legendären Rollenspielreihe „Final Fantasy“ wurde als opulenter, filmischer U-Bahn-Tunnel angelegt. Mitspielen darf man zunächst nur ein bisschen. Jan Bojaryn hat unermüdlich zugeschaut – und dann doch ein bisschen gespielt.
Eine Saboteurin kapert einen Technofantasyzug, schaltet die Wächter mit atemberaubend akrobatischen Stunts aus und lässt sich auf der Flucht von einem älteren Herrn mit Küken im Afro begleiten – ein solch pompöses, ellenlanges Intro erwartet man von japanischen Rollenspiel-Blockbustern. Aber zu Beginn von „Final Fantasy XIII“ bleibt es arg lange beim Video mit gelegentlicher Eingabeaufforderung, bevor sich ein Spiel erkennen lässt. Übergenaue Tutorials führen ein, was später stundenlang durchexerziert wird. Wie eine Karotte trägt Square Enix die Aussicht vor dem Spieler her, dass sich hier demnächst interessante Interaktionsmöglichkeiten wie Kämpfe ergeben könnten. Bis man das erste Mal abbeißen darf, vergehen mehrere Stunden.
Aber beim Kämpfen bleibt es fast, Spieler haben wenig Einfluss auf die Charakterentwicklung, null Einfluss auf die Handlung. Mit der Entscheidung, selbst Nebenmissionen erst spät einzuführen und Shops als unpersönliches Menü zu präsentieren, wird die Dreizehn endgültig zum spielbaren Tunnel. Das Kampfsystem enthüllt schließlich seine Stärke, mischt Zeitdruck und Taktik und macht den Spieler zum Trainer, der vorher plant und im Gefecht Anweisungen von der Seitenlinie reinbrüllt. Aber man wünscht sich zwangsläufig mehr. Die Helden zweifeln, hoffen, hadern, streiten und vertragen sich im Angesicht großer Gefahren. Der Spieler kämpft oder schaut zu.
„Final Fantasy XIII“ nimmt sich Zeit. Alle Protagonisten haben Familienprobleme, tief empfundene Schuld, drückende Ängste und brennenden Zorn auf irgendetwas. Daraus entwickelt sich ein richtig ernst gemeintes Epos, inklusive Botschaft für Toleranz und gegen Vorurteile. Dafür lohnt es sich, zuzuschauen. Es lohnt sogar, die Lexikoneinträge zu merkwürdigen Vokabeln wie fal’Cie oder PSICOM nachzuschlagen. Aber die Abwechslungsarmut aus opulenten Videos und eleganten Kämpfen wirkt strapaziös. Am besten vorher eine schöne Kanne Tee kochen, in die Wolldecke einmummeln, Telefon ausschalten und spielen, bis die Augen zufallen.
Final Fantasy XIII für PS3 und Xbox 360 (Square Enix)
Text: Jan Bojaryn
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