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Fri, 16.05.2008

Death Cab For Cutie

Narrow Stairs


Mit "Plans", dem Vorgängeralbum, waren Death Cab For Cutie derart erfolgreich, dass es für die Band selbst fast schon surreale Züge angenommen haben muss. Der Schreck über diese sicher nicht immer angenehme Popularität dürfte den zurückhaltenden Lieblingen aus Seattle noch in den Gliedern stecken, diesen Gedanken legt jedenfalls "Narrow Stairs", ihr neues Album, nahe. Denn auf ihm haben DCFC ihren Sound grundlegend und offenbar mit einer starken emotionalen Dringlichkeit verändert.

Die Maxime könnte gelautet haben: weniger anschlussfähige atmosphärische Eingängigkeit, Mut zur Komplexität und Suche nach struktureller Freiheit. Schon auf "Plans" erlaubte sich die Band einige ausufernde Passagen, das fiel aber gar nicht so sehr ins Gewicht, da die Dichte an Ohrwürmern immer noch hoch war, und das Schreiben von Ohrwürmern haben sie auf "Plans" ohne Zweifel zur Meisterschaft getrieben. Auf "Narrow Stairs" ist diese Qualität weitgehend in den Hintergrund getreten; ein riskantes Spiel, denn so muss sich der Reiz der Platte auf ganz andere Aspekte stützen. DCFC sind deshalb dazu übergegangen, die einzelnen Passagen ihrer Songs auszudehnen, um so klassische Schemata aufzubrechen. Klar, wenn man Elemente wie den Gesang von Ben Gibbard und das Gitarrenspiel von Chris Walla zur Verfügung hat, entstehen hymnische Harmonien fast wie von selbst - sie sind auch auf "Narrow Stairs" vertreten, nur eben deutlich versteckter.

Ohne einen bestimmten Song hervorheben zu können ist diese Platte in vielen Momenten sehr gut, sie ist gewagt, nur eben nicht das, was DCFC über mehrere Platten hinweg für viele zur Lieblingsband werden ließ. "Narrow Stairs" ist mutig, sie ist ein Experiment, und das muss man einer verdienten Band wie dieser trotz aller überhohen Erwartungen zugestehen. Wenn man will, hat man an dieser Platte lange zu knacken, und das macht sie in einem anderen Sinne als dem von DCFC bekannten gut. Erwartungen können für einen Künstler belastend sein, das muss man wissen, und das ist keine hohle Phrase. Wer diese Platte zu schnell zur Seite stellt, macht einen Fehler.




Text: Christian Steinbrink

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