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Mon, 03.03.2008 Thomas Roth / Verdammt, wir leben nochFalco, Austrias liebster Außenseiter |
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Im letzten Jahr wäre Falco 50 Jahre alt geworden. Vor zehn Jahren ist er bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das Biopic "Verdammt, wir leben noch" versucht eine Annäherung an die private Person und die öffentliche Figur. Vom "Kommissar" bis zum "Mann mit dem Koks". Wolfgang Frömberg traf Regisseur Thomas Roth in Wien.
Ihr Ruhm wirkt nach. Während jährlich gut eine halbe Million Schwärmer die Pilgerstätte Graceland in Memphis besuchen, um durch Presleys Wohnstube zu tapern, schleichen Falcos Bewunderer auf dem Wiener Zentralfriedhof herum, wo der "erste weiße Rapper" von Mitgliedern der Motorrad-Gang "Outsider Austria" zu jenem Grabe getragen wurde, auf dem eine Glastafel an seine größten Hits erinnert. Elvis wurde zum Abgott, Falco war immerhin ein Weltstar. Von den Gesichtsprominenten der aufsteigenden Boulevardkultur unterscheidet sich seine glamouröse Figur durch ihre vom Alltag enthobene Künstlichkeit. Nachdem er sein Alter Ego als arroganter Schnösel entworfen hatte, existierte "der Hans" nur mehr für sein privates Umfeld. Dass der Bub sich auch dort ab einem gewissen Punkt arrogant und egozentrisch aufführte - davon handelt unter anderem Thomas Roths Biopic "Verdammt, wir leben noch".
Manuel Rubey verkörpert die private Person Hölzel und die öffentliche Figur Falco mit im Handlungsverlauf zunehmender Eindringlichkeit. Wo er in den ersten Szenen hölzern wirkt in seiner Hochnäsigkeit, trifft er den irren Blick beim späteren Auftritt als Kulttype auf dem Donaufestival ganz wunderbar. Während Hölzel sich von seiner ersten Freundin und seiner Ehefrau als dummer Macho verlachen lassen muss, liegen Falco die Massen zu Füßen. Eine Diskrepanz, die sich hier in Rubeys Augen ablesen lässt. Neben dem Telefonat mit der Tochter, die nicht Falcos leibliches Kind ist, einer der stärksten Momente des Films.
Allerdings kann Authentizität immer nur ein Teil der Inszenierung sein - und die Quellen waren wegen des noch zu Falcos Lebzeiten vertraglich gesicherten Schweigens seiner Gattin Jacqueline und der schweren Krankheit seiner Mutter nicht alle zugänglich. Anders als Todd Haynes' "I'm Not There", dafür ähnlich wie Anton Corbijns "Control" ist Thomas Roths Biopic nichtsdestotrotz mit der Dekonstruktion aller möglichen Mythen rund um das öffentliche Image des Künstlers beschäftigt. Das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder bedauert man den Blick durchs Schlüsselloch, der den permanenten menschlichen Niedergang vom "Hans" ins Visier nimmt, oder man erfreut sich an der realistischen Darstellung des freudlosen Vegetierens im kulturindustriellen Sumpf, wo allein gute Verkaufszahlen vorübergehend Glück verheißen.
Der Falco aus "Verdammt, wir leben noch" hat sich selbst verwirklicht, indem er sich vollkommen verausgabt hat. Aus dem Bub, der die Schule schwänzte, um ins Kino zu gehen, wurde eine koksende, Videos glotzende Couch-Potato. Letzte Zeugin seines widersprüchlichen Werdegangs ist im Film keine Geringere als Grace Jones. Den Tod durch einen Autounfall hat Falco mit James Dean gemeinsam. Wohin, Wien - Ein Stadtführer von INTRO. Hier zum Download. Text: Wolfgang Frömberg
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