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47 Szenen in jeweils einer Einstellung gedreht. Wie Gemälde, die ein Eigenleben entwickeln, stellten sich Roy Anderssons "Songs From The Second Floor" im Jahr 2000 Kritik und Publikum dar. Der schwedische Regisseur knüpft nun mit "Das jüngste Gewitter" an das Mosaik an und verbindet erneut die Schicksale skurriler Figuren. Birgit Binder hat mit ihm gesprochen.Wie fassen Sie "Das jüngste Gewitter" zusammen? Ein Film über uns - über mich, dich und jeden von uns. Um klarer zu machen, wie wir leben und was wir als wichtig erachten, wollte ich die Bedingungen, die Existenz des Menschseins in einer gereinigten, puren, kondensierten, übertriebenen Weise zeigen: unsere Träume, unser Scheitern, unsere Unzulänglichkeiten und vor allem unsere Verletzlichkeit. Das wird, so hoffe ich, Respekt gegenüber dem Menschsein wecken. Wir sollten uns bewusst sein, wie niederträchtig und unangemessen es ist, zu demütigen und zu verletzen.
Im Zeitalter von Mikroschnitt und Nahaufnahme bevorzugen Sie die Totale, zuweilen mit direktem Spiel in die Kamera - warum? Ich bin von der Geschichte der Malerei sehr beeinflusst und beeindruckt. Die interessantesten Gemälde sind meiner Meinung nach die "weiten". Solche, die uns die Bedingungen des Lebens zeigen. Sie halte ich (meistens) für reicher und faszinierender als Porträts. Je reicher sie sind, desto häufiger möchte ich zu ihnen zurückkehren, sie wieder und wieder sehen. Diese Qualität habe ich in Filmen sehr lange vermisst. Auch in Gemälden sieht man häufig Menschen, die in Richtung des Malers blicken. Ich mag das.
Ihre Figuren entstammen meist einer bestimmten Schicht. Würden Sie sich filmisch jemals für das Leben des schwedischen Premierministers interessieren? Ich halte Kunst, gute, für universal. Nicht nur geografisch, sondern auch sozial. Wir ähneln uns in unseren Sehnsüchten, Wünschen, Träumen und Enttäuschungen. Alle wollen gesehen, erkannt und geliebt werden. Der Begriff "gewöhnliche Menschen" schließt, meiner Meinung nach, Professoren, Präsidenten, Könige und Königinnen ein. Meine wichtigsten Einflüssen stammen aber sicher aus meinem Arbeiterklasse-Hintergrund.
Bitte kommentieren Sie die Bedeutung von Lethe im Film. Der Lethe-Mythos wird in Goethes Gedicht und im Film im Sinne von Vergessen verwandt. Wenn Menschen starben und ins Königreich des Todes kamen und vom Fluss Lethe tranken, vergaßen sie, dass sie gelebt hatten. Eine sehr starke Metapher, die uns auffordert, uns um das Leben zu kümmern und es so sehr wie möglich zu genießen. Für die meisten von uns ist das aber nicht einfach zu realisieren. Denn wir sind Gefangene in absurden sozialen, ökonomischen, politischen und mentalen Werten. Auch davon handelt mein Film.
Welche Funktion hat die Musik im Film? Haben Sie jemals in einer Band gespielt? Als ich jung war, spielte ich Posaune in einer New Orleans Brass Band. Diese Art von Musik ist kaum noch in Filmen zu finden. Blechblasinstrumente sind auch ein wichtiger Teil militärischer Musik und deshalb sehr suggestiv. Tausende von Soldaten marschierten zu dieser Musik an die Fronten. In "Das jüngste Gewitter" wollte ich die absurde und fast lächerliche Seite dessen zeigen.
Erwägten Sie je, den Traum des Groupies im Film wahr werden zu lassen? Nein, ihr Traum sollte in diesem Film nicht wahr werden. Vielleicht in einem nächsten.
Warum sollten Menschen um die 20 "Das jüngste Gewitter" sehen? Weil sie zuvor nichts Vergleichbares gesehen haben.
Das jüngste Gewitter S/D/F/DK/N 2007 R: Roy Andersson; D: Hakan Angser, Eric Bäckman; 20.03.
Text: Birgit Bender
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