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11. MuVi-Preis

in Oberhausen: Das beste deutsche Musikvideo ist...

04.05.2009, 11:19, Text: Peter Flore, Foto: Thomas Köner

Anlässlich der Kurzfilmtage Oberhausen wählte eine hochkarätige Jury am Wochenende wieder das beste Musikvideo Deutschlands. Aber was zeichnet heutzutage eigentlich ein gutes Video aus?

"Die Jury stellt fest, dass in Deutschland offensichtlich das Genre des Popmusikvideos, wie wir es kannten, ausgestorben ist. Wir haben es vielmehr mit einer neuen, weniger in kulturindustriellen Sweatshops als an Kunstakademien gepflegten Form zu tun - was sich nicht immer verbergen lässt. Im Musikvideo war die Frage des Status und Anspruchs durch die Einbindung in das Großgenre der Pop-Musik geklärt.


In dieser neuen Situation stellt sich der Jury die Frage, mit welcher Art von künstlerischen Objekten sie es eigentlich zu tun hat: Auffällig ist zum Beispiel, dass häufig als angewandte Gestalter ausgebildete Produzenten Objekte herstellen, die mit autonomem Kunstanspruch auftreten. In anderen Fällen, wie etwa dem Gewinnervideo, ist die Bildgestaltung als eine Art gesamtkünstlerische Extension von den Musikern selbst übernommen worden. In dieser Lage muss die Jury auf quasi-experimentelle Weise ihre Kriterien ausrichten."

So heißt es in der Vorrede der Jury, bestehend aus Elke Buhr (Monopol, Berlin), Diedrich Diederichsen und dem Berliner Schauspieler, Regisseur und Medienkünstler Herbert Fritsch. In der Tat hat seit dem Wegfall des Musikfernsehens wie wir es kennen und spätestens auch seit dem GEMA-YouTube-Streit (mehr...) der letzten Wochen ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Der gute alte "Promoclip", als verkaufsfördernder und singlebebildernder Werbefilm hat ausgedient und immer mehr Bands und Künstler entdecken in der audiovisuellen Kunst eine weitere Spielwiese ihres eigenen Schaffens statt ein reines Mittel zum Zweck.

Anlässlich der Kurzfilmtage Oberhausen wurde am vergangenen Wochenende nun schon zum 11. Mal der MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo vergeben. Intro hatte im Vorfeld alle beteiligten Künstler und Videos ausführlich vorgestellt (mehr...). Dass jetzt mit Thomas Köner (für "Pasajeros peregrinos pilotos", siehe unten) ein Video gewinnt, das aufgrund seiner Ästhetik und seiner wenig populären Ausrichtung vermutlich niemals den Weg in die Heavy Rotations der ehemaligen Entscheiderriege "Musikfernsehen" gefunden hätte, zeigt, dass gerade das Musikvideo mehr und mehr auch als eigenständige Kunstform wahrgenommen wird. Wenn auch noch nicht von der breiten Masse...

Das Gewinnervideo (1. Platz, dotiert mit 2.500 Euro): "Weil das Video uns durch ein ebenso einfaches wie einleuchtendes Bildbearbeitungsprinzip verblüfft hat. Der klassische Blick aus dem Fenster auf einen Platz zeigt die Bewegung der Passanten als Ornament, schafft eine visuelle Erzählung und schlägt unangestrengt die Brücke zu dem Phänomen, dass soziale Ornamente in der Kontrollgesellschaft intime Rückschlüsse auf den Einzelnen zulassen." (aus der Jurybegründung).




Porter Ricks - "Pasajeros peregrinos pilotos"
Regie: Thomas Köner
Hardwax
2008, 3 min

Der zweite Preis, dotiert mit 1.500 Euro, geht an:
Xenia Lesniewski für "Egodyston" (Groenland Orchester), 2009.

Der dritte Preis, dotiert mit 1.000 Euro, geht an:
Karl Kliem für "Graf" (Lithops), 2009.

Auf der nächsten Seite: Der MuVi-Online Publikumspreis.



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