
Deichkind
Komm Schon
06.04.2001, 17:20, Text:
Die Deichkinder,
Die Deichkinder
Wie das so ist: eine Single bedarf ja auch einer visuellen Untermalung. Wir sprechen hier von einem Video. Und das kostet immer viel Geld, und man kann sich nur freuen, wenn es dann zügig im Kasten ist.Wir fuhren also in die Nähe von Dresden. Um genauer zu sein: in die Westlausitz, in ein kleines ostdeutsches Dorf namens Schiedel, direkt in einen angesagten Swingerclub. Wie der Prospekt schon flashmäßig auswies: „Jeder Schniedel muss nach Schiedel (jede Möse auch).“ Originalzitat! Das Video sollte, so die Idee von Sebi, „irgendwie lasziv und sexy sein, bloß nicht die nächste Party-Kanone abfeiern.“ Der Regisseur fand das dann auch super, und so einigten wir uns auf eine Spätsiebziger-/Anfangachtziger-Playboy-Mansion-Dramaturgie, das Ganze untermalt von bezaubernden jungen Damen.
Aber da wir zeigen wollten, wie so ein bunter Nachmittag mit Deichkind aussieht, schwangen wir uns kurzerhand in bestickte Bademäntel und Adiletten, warfen flugs unsere Goldketten mit Namensbuchstaben über und gingen dann zu den Ladys in die Lustgrotte. Ein angenehm temperierter Pool ließ uns den derben Stress, den so ein Video nun mal verursacht, fast vergessen. Die ersten Takes waren schnell im Kasten - und dann nahm der Horror Gestalt an. Zunächst verwüsteten die vielen spaßigen und hyperaktiven Videomenschen den kleinen Garten im Innenhof des Clubs, später schlug der Besitzer Alarm und wollte prompt mehr Kohle sehen. Und dann kam’s ganz derbe: Der Koch, der uns in der „Mittagspause“ verköstigen sollte, prallte mit seiner unangenehm aufdringlichen Erotik auf uns ein. Der Mann war durchaus fettleibig, hatte eine Glatze und akkurat rasierte stramme Waden. Als er sich zum Grill umdrehte, bemerkten wir, dass er außer einer Unterbuchse nichts anhatte. Beim besagten Umdrehen wurde sein halbes Gesäß freigelegt und der Appetit war wie „weggeblasen“. Als wir erschöpft um halb ein Uhr nachts auf den abgenutzten Sofas dahindämmerten und schon quasi am Einschlafen waren, rüttelte uns der Regisseur wach: Feierabend – ab ins Hotel. Das war es dann. Und eins können wir euch sagen: es hat sich gelohnt!
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