S.C.U.M
»Faith Unfolds« (Aaron Dilloway Remix)
12.12.2011, 11:33, Text:
arno raffeiner, Foto: Matthew Stone
S.C.U.M - im Zeichen dieses Logos fackeln fünf LondonerInnen um die zwanzig ein finsteres Klanggewitter ab.
Sie glauben an das Blitzlicht und an zugeknöpfte Hemden in der Sommerhitze. Sie glauben an lange und an halblange Haare, an zeitlose bis altertümliche Style-Signale. Und dieser Nick-Cave'hafte Typ da am Mikrofon glaubt tatsächlich an seinen breitkrempigen schwarzen Hut, den er auch in den bewegtesten Momenten seiner Performance nicht vom Kopf schüttelt. Die Schlagzeugerin glaubt an Bandlogos auf der Bassdrum – S.C.U.M steht in stolzen Versalien an der Stelle, von der die einzige Frau in dieser Band ihre Kicks in den Raum tritt; die Buchstaben stehen für Society For Cutting Up Men, den Titel eines radikalfeministischen Manifests von Valerie Solanas (die es später als die Andy-Warhol-Attentäterin zu zweifelhaftem Weltruhm schaffen sollte) aus dem Jahr 1968, das die Abschaffung aller Träger des verkümmerten Y-Chromosoms sowie generell die Revolution fordert. Im Zeichen dieses Logos fackeln fünf LondonerInnen um die zwanzig ein finsteres Klanggewitter ab.
Bei ihrem Auftritt in Berlin Ende Juni geben sie alles, um ihr Publikum akustisch und optisch zu blenden. Mehrere Blitzlichtmaschinen unter ihren Synthesizern und auf ihren Orange-Verstärkern sind ins Publikum gerichtet. Immer mehr Lampen flashen zum sonischen Gewitter, das die Band losbrechen lässt. Die Speicher der Smartphones im Publikum werden am nächsten Morgen voll sein mit Gegenlichtfotos, auf YouTube werden unzählige Pixelflecken explodieren. Die Uhr im Konzertsaal, einer ehemaligen Kantine, ist starr vor Schreck und zeigt immerzu fünf vor zwölf. Ist denn schon wieder Apokalypse? Diesmal so richtig endgültig?
S.C.U.M sind fasziniert vom Untergang. »Manche unserer Songs klingen wie der Ursprung und das Ende der Zeit zugleich«, erklärt der 19-jährige Samuel Kilcoyne, S.C.U.Ms Keyboarder, der bisher als Initiator der englischen Underage-Szene, einer Bewegung, die explizit nur einem jüngeren Publikum mit Nachmittagsauftritten Bands zugänglich machen will, von sich reden machte. »Wir lieben diesen Gegensatz zwischen Schönheit und totaler Zerstörung.« Kilcoynes Band hat die eigene Abschaffung in ihren Bandnamen eingeschrieben, aber sie wird, wie es sich für Popmusik speziell englischer Provenienz gehört, als der pure Aufbruch beschrieben. Mit dieser Widersprüchlichkeit passen S.C.U.M bestens in eine Zeit, in der bis auf die Margen der Spekulationsgewinnler alles den Bach runtergeht, in der Entertainment häufig komplett humorfrei zu haben ist.
Termine S.C.U.M
19.01.2012 Zürich, Ziegel Oh Lac » Details | Merken | Anreise
02.02.2012 Luzern, Südpol » Details | Merken | Anreise
08.02.2012 Stuttgart, Schocken » Details | Merken | Anreise
09.02.2012 Dresden, Beatpol » Details | Merken | Anreise
13.02.2012 Hamburg, Molotow (abgesagt) » Details | Merken | Anreise
14.02.2012 Köln, Luxor (abgesagt) » Details | Merken | Anreise
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S.C.U.M Faith Unfolds (Aaron Dilloway Remix) by Mute UK
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