Massive Attack

100th Window - Jukebox

05.02.2003, 16:39, Text: Hendrik Stöteler, Hendrik Stöteler
[20 Kommentare]

trong>Massive Attack haben sich die Messlatte selbst ziemlich hoch gelegt. Alle drei bisher veröffentlichten Alben entwickelten sich zu Meilensteinen. Ihr viertes Album \"100th Window\" brachte nun das hervor, was irgendwann hervorkommen musste - Mittelmaß. Ob es daran liegt, dass die Band aus Bristol mittlerweile auf Robert \"3-D\" del Naja zusammengschrumpft ist? Einen eigenen Eindruck vom neuen Material könnt ihr euch mit Hilfe der 100th Window-Jukebox machen. Hier gibt es von jedem Track 60 Sekunden auf die Ohren.

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  • tapate 10.02.2003 | 13:50:38

    Da ich prinzipiell nicht so auf rap stehe und
    eines meiner Lieblings-Massive Attack-
    Projekte der Remix von Garbages "Milk" ist,
    gefällt mir das neue Album extrem gut. Auch
    wenn ich zugeben muß, daß 100th window
    mehr nach Portisheads "Dummy" klingt (was
    ja nun auch nicht unbedingt schlecht ist).
    Sehr innovativ ist 100th window sicherlich
    nicht, aber die CD ist sehr Stimmungsvoll
    und Sinead o Connors Stimme paßt perfekt
    zur Musik. Nach jedem anhören gefällt mir
    die CD etwas besser.

  • 10.02.2003 | 16:05:54

    @babsie: da bin ich ja anderer meinung. die war schon klasse, songs wie angel oder rising son sind großartig.

  • User: babsie
  • babsie 11.02.2003 | 11:08:40
    ich bin nicht kerstin grether.
    @michael
    ich weiss, dass man von einer band kein dutzend meilensteine erwarten kann. deshalb bin ich da massive nicht sonderlich böse. aber viele ideen auf der mezzanine kannte ich schon von alan parsons project und pink floyd (sich schnell unter den tisch duckt ob der blasphemischen aussage). untermauert wurde mein eindruck durch das entsprechende konzert in düsseldorf: nebelschwaden, gitarrensolos, lichtkaskaden... mich schüttelte es schlimm.

  • User: zilix
  • zilix 11.02.2003 | 11:49:41

    @babsie
    mezzanine - mittelmaß ? herr vergib ihm.

  • User: babsie
  • babsie 11.02.2003 | 11:55:35
    ich bin nicht kerstin grether.
    okay, okay... im gegensatz zu den beiden vorgängern ist sie MITTELMASS (mag man sie in der sonstigen plattenlandschaft auch anders bewerten wollen)

  • User: DomenicoDeMarco
  • DomenicoDeMarco 11.02.2003 | 12:15:59
    Der Zwerg reinigt die Kittel.
    babsie steht halt nicht auf barock, leute! ;)

    ich fand dagegen die mezzanine tour sehr sehr schön...

    wie gut, dass es doch auch unterschiedliche geschmäcker gibt...

  • User: babsie
  • babsie 11.02.2003 | 12:27:26
    ich bin nicht kerstin grether.
    ich mag ja barock, aber kein wall of sound von einer band, die die kunst der leere mal beherschte. wie die platte hätte klingen müssen, zeigt ein remix von "angel" von... vergessen. maschinenstimme zählt auf:
    "a is for appel" etc. you dig?

    aber ansonsten latürnich immer geschmackssache...

  • User: Oleandah
  • Oleandah 11.02.2003 | 12:31:32

    Wie schön, daß es immer neue Themen hier gibt, die noch nie diskutiert wurden ;-)

  • User: everpure
  • everpure 11.02.2003 | 12:45:53

    babsie, die coolen säue haben auf mezzanine immerhin den dicken smith und sein 10:15 saturday night ausgegraben. allein dafür... aber sehr lustig zu lesen in diesem zusammenhang: der artikel zu massive attack im aktuellen heft. hehe.

  • User: SterinMcCollis
  • SterinMcCollis 12.02.2003 | 10:46:18

    Das seltsame - Herr Krumbein - ist, dass plötzlich im Nachhinein viele äußern, wie schön, klasse, sensationell die Vorgängeralben waren. Das deckt sich nicht mit meinen Erinnerungen an die damaligen Rezensionen zu "Mezzanine". Woran könnte das liegen?

    Meine These: Historisierung. Ein Album verwebt sich mit persönlichen Erinnerungen. Und das Licht des Rückblicks zeichnet vieles weicher. Neue Alben haben dazu noch keine Chance - das ist das Dilemma des Kritikerdaseins - isn't it?

  • User: Tyler Bourbon
  • Tyler Bourbon 12.02.2003 | 11:19:27

    Ich finde die neue am geilsten.
    Nicht so diese everybody's darling songs wie das (sicherlich schöne ) Teardrop. Natürlich liebe ich die alten Sachen alle, aber die Sounds und Beats (Butterfly Caught) waren noch nie besser bei MA. Das ist meine bescheidene Meinung. Klar, die Platte ist nicht eingängig genug. Ähnlich wie die Kid A.

  • 13.02.2003 | 12:48:39

    also, da muss ich -zumindest in meinem und diesem fall - widersprechen.
    ich weiß noch ganz genau, wie ich die "mezzanine" zum ersten mal gehört habe und damals dachte: "unglaublich." ich habe sie damlas sofort eingereiht in die reihe von klassikern, die massive attack bis dahin veröffentlicht hatten. und habe mich sicher zu keiner gelegenheit anders über die platte geäußert. darum greift die von ihnen vorgetragene these hier nicht.
    auch sonst kann ich - und hier spreche ich auch nur für mich - dieser these nicht uneingeschränkt zustimmen, so interessant sie auch ist. bsp.1: release der pet shop boys. wesentlich besser als der vorgänger bilingual.
    bsp: depche modes songs of faith and devotion. wesentlich besser als seine vorgänger. könnte ich so ohne probleme weiterführen. ich denke als kritiker sollte man das sog. "historisieren" ausblenden. privat kann man tagträumen wie man will.

  • User: zilix
  • zilix 13.02.2003 | 13:59:43

    gut gebrüllt löwe !

  • User: James Dean Brown
  • James Dean Brown 13.02.2003 | 16:41:26

    "100th Window" ist für mein Empfinden das Fenster, das die Sicht in ein Wunderland modernen Sounddesigns gewährt. Das Album ist ein Trip in ein hermetisches Universum, das (alb-)traumhafte Bilder evoziert ohne bedrohlich zu wirken, weil im Herzen der Musik ein Edelstein dunkler Schönheit glüht (dessen Vibes zusammen mit dem Schema rationaler Analyse hässliche Interferenzmuster bilden). Und weil man Sinéad O'Connors Stimme mit der Naturverbundenheit irischer Folklore assoziieren kann. Es präsentiert Musik
    von hinter den Spiegeln. Wenn man freilich als Musikjournalist - wie Michael Saager (Rezension) und Georg Boskamp (Bericht) - die ganze Zeit vor dem Spiegel hocken bleibt, um sich in Eitelkeit selbst zu gefallen, verkrüppelt schnell die Wahrnehmung für andere, neue Eindrücke. Die "Einfallslosigkeit", die Saager dem neuen Album unterstellt, scheint eine Ausrede für sein eigenes Unvermögen, einen Weg zu finden, um die Oberflächenspannung von Musik
    jenseits der Trivialität zu durchbrechen.

    Robert "3D" del Naja ist, spätestens seit "Mezzanine", dafür bekannt, dass er dem Sound von Massive Attack eine gehörige Portion Schwermut injiziert, die nicht im Jungensgehabe artifizieller Traurigkeit versumpft, sondern imstande ist, eine aufgeregte Euphorie zu entfachen, welche sich, gemächlich aufbrausend, immer weiter nach oben schaukelt. Als Fan der Kunst des Arrangements bewundere ich das Talent von 3D, auf eine professionelle Weise referenzlose Samples, Flächen, Vocals und organisch fliessende Strukturen mit einem mächtigen, physisch beeindruckenden Rhythmuskonstrukt zu verzahnen. Samples waren bei Massive Attack nie Mittel zum Zweck, nie verkopfte Effekthascherei. Vielmehr haben sie die Essenz, die Intensität, den Soul unterschiedlicher musikalischer Quellen der letzten Jahrzehnte (Billy Cobham, Mahavishnu Orchestra, Led Zeppelin etc.; auf "100th Window" gar This Heat) in einen zeitgemässen Sound transformiert und konzentriert. Massive Attack setzen dem durchschaubaren, halbherzigen Eskapismus des in Sicherheit wiegenden Liedguts, das in allen Medien verbreitet wird eine echte, verstörende Alternative mit psychischer Tiefenwirkung entgegen: das emotionale Maximum.

    Lässt man sich auf "100th Window" ein, wird man möglicherweise auch zum Wesen 3Ds gelangen. Immerhin weiss Historiker Boskamp zu berichten, dass er ein Künstler mit einer starken visuellen Ausrichtung (Wahrnehmung/Output) ist. Ein Synästhet gar? Das läge nahe; nachforschen! Und noch einmal zuhören: Radiohead zum Beispiel werden konsensuell gefeiert. Liegt es an einer
    grosszügigen Promotion, an der Unterstützung des Labels und der - wenn auch sperrigen - Zugänglichkeit der Band? Oder daran, dass sich die meisten Redakteure einfach nicht vom Gedanken und Gedenken an die gute alte Zeit lösen können, als Radiohead noch "ehrlich gerockt" haben? Wie ist es einzuordnen, dass kein Wort darüber verloren wird, dass der Einsatz von orientalischen
    Streichern, stimmlichem Ausdruck und Vokaleffekten in Massive Attacks neuem Werk vermutlich auch dem Einfluss Radioheads zuzuschreiben ist? Die Ähnlichkeit ist offensichtlich, aber die Redakteure erkennen den Wald (Sound) vor lauter Bäumen (Brett vorm Kopf) nicht. Es wurde ja auch schon versäumt, von den letzten beiden Radiohead-Alben eine gerade Linie zu Syd Barrett und der
    Psychedelik der 70er zu ziehen. Die Musikjournaille scheint halt nicht wirklich mittendrin zu stecken.

  • User: psychonaut
  • psychonaut 13.02.2003 | 17:08:02


    Hhmm, ich würde wirklich gerne wissen, wie ich auf das Album reagiert hätte, wenn ich die Rezensionen in SPEX und intro usw. nicht vorher gelesen hätte.
    So wurde eine eher skeptische Grundhaltung beim Probehören aber durchaus bestätigt.



  • 14.02.2003 | 09:09:16

    @psychonaut: in anlehnung an SterinMcCollis würde ich sagen: das ist das dilemma des musikhörers, isn't it? die ganzen schlaumeier, die die sachen schon besprechen, bevor man sich selbst eine meinung hat bilden können.

  • User: webmonsterle
  • webmonsterle 18.02.2003 | 10:49:12

    die vorgänger fand ich doch auch wesentlich besser und interessanter. ich find, die art von musik hat sich schon fast selbst überlebt. ich brauch das nicht mehr. kaufen werd ich die nicht, und noch nicht mal downloaden...

    den vergleich zu portishead kann ich übrigens nicht im geringsten nachvollziehen... außer elektronik und weibliche stimme ham die nix gemeinsam.

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